15 April 2026, 14:10

Zikadenplage bedroht deutsche Ernten – Bauern fordern mehr Pestizide

Ein altes Buch mit einer Zeichnung einer Grille auf dem Cover, das Text auf der darunterliegenden Seite enthält.

Zikadenplage bedroht deutsche Ernten – Bauern fordern mehr Pestizide

Winziges Insekt bereitet deutschen Landwirten große Sorgen

Die Zikade Hyalesthes obsoleta, auch als Schilf-Zikade bekannt, saugt Pflanzensaft und verbreitet Krankheiten, die Zuckerrüben und Kartoffeln schädigen. Landwirte fordern nun einen verstärkten Einsatz von Pestiziden – und entfachen damit eine Debatte über Umweltschutzbestimmungen und landwirtschaftliche Praktiken.

Die Schilf-Zikade gedeiht besonders in modernen Anbausystemen. Ihre Larven überwintern im Boden, ernähren sich von Wurzeln und entwickeln sich im Frühjahr zu adulten Tieren. Diese wandern dann in Felder mit Rüben, Kartoffeln und Gemüse ein, saugen Blattsaft aus und legen ihre Eier im Erdreich ab.

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Doch die eigentliche Gefahr geht von den Pflanzenschädlingen aus, die das Insekt überträgt. Diese Krankheiten mindern die Erntequalität, führen zu Ertragseinbußen und verursachen wirtschaftliche Verluste. Bauern argumentieren, dass Pestizide unverzichtbar seien, um befallene Felder zu schützen und die Produktion zu stabilisieren.

Doch das Problem ist komplexer. Die EU hat mehrere Neonikotinoide – eine Klasse hochwirksamer Insektizide – wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf Bestäuber wie Bienen verboten. Trotz der Beschränkungen werden diese Mittel weiterhin im Notfall zugelassen, um die Zikadenplage einzudämmen. Kritiker warnen, dass dies einen Teufelskreis aufrechterhält: Intensive Landwirtschaft schafft ideale Bedingungen für Schädlinge, während der Pestizideinsatz das System am Laufen hält, das die Vermehrung der Insekten erst begünstigt.

Nun stellt der Deutsche Bauernverband die Rolle des Umweltbundesamts bei der Zulassung von Pestiziden infrage. Die Landwirte fordern weniger strenge Kontrollen bei "Wirkstoffverlusten" und behaupten, zu harte Regeln gefährdeten ihre Fähigkeit, Ausbrüche zu bekämpfen. Die Diskussion offenbart die tiefer liegenden Spannungen zwischen wirtschaftlichen Zwängen, politischen Entscheidungen und den Langzeitfolgen der industriellen Landwirtschaft.

Die Ausbreitung der Schilf-Zikade spiegelt grundlegende Veränderungen in der Landwirtschaft wider: Große Monokulturen und enge Fruchtfolgen schaffen perfekte Lebensräume für Schädlinge, während der Pestizideinsatz für viele Betriebe überlebenswichtig bleibt. Während Landwirte nach Lockerungen der Vorschriften rufen, bleibt der Konflikt zwischen Erträgen, Gewinnen und Umweltschutz ungelöst.

Quelle