24 December 2025, 00:13

Wirtschaftsweise: Erben von Unternehmen sollten höhere Steuern zahlen

Eine Frau in einem Hut steht neben einem Plakat und hält ein Buch in der Hand, mit einer Ente auf dem Boden und Bäumen im Hintergrund unter einem klaren Himmel.

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Eine führende deutsche Ökonomin hat eine Reform der Erbschaftsteuer gefordert und warnt, dass die aktuellen Gesetze Familienunternehmen unrechtmäßig begünstigen. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ist überzeugt, dass das System strengere Regelungen benötigt, um die Besteuerung verschiedener Vermögenswerte bei der Vererbung gerechter zu gestalten.

Schnitzer, die als Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt und gleichzeitig die Monopolkommission leitet, kritisiert das bestehende Steuersystem scharf. Ihrer Ansicht nach werden private Finanzvermögen – wie Ersparnisse oder Investitionen – deutlich höher besteuert als Betriebsvermögen, etwa Unternehmensanteile. Diese Ungleichbehandlung führe zu einer Verzerrung der Gerechtigkeit beim Generationenwechsel von Vermögen.

Ihre Bedenken beschränken sich nicht auf Bargeld und Immobilien. Auch hochwertige Sammlerstücke wie Gemälde, Oldtimer oder Privatjets, die oft Teil großer Erbschaften sind, könnten unter den aktuellen Vorschriften einer geringeren Besteuerung unterliegen. Schnitzer prognostiziert zudem, dass das Bundesverfassungsgericht 2024 gegen die geltenden Richtlinien entscheiden werde. Sollte das Gericht ihrer Position folgen, könnte das Urteil rückwirkend ab dem 1. Januar 2009 gelten. Dies würde eine grundlegende Neuregelung der Bewertung und Besteuerung von geerbtem Vermögen – sowohl betrieblichen als auch privaten – in Deutschland erzwingen.

Die vorgeschlagenen Änderungen zielen darauf ab, Schlupflöcher zu schließen, die es ermöglichen, Betriebsvermögen niedriger zu besteuern als Privatvermögen. Ein Urteil des Verfassungsgerichts im kommenden Jahr könnte die Erbschaftsteuerpolitik grundlegend verändern und damit Familien, Unternehmen sowie die gesamte Wirtschaft betreffen. Schnitzers Initiative spiegelt die wachsende kritische Auseinandersetzung mit der Frage wider, wie Vermögen zwischen den Generationen weitergegeben wird.