Wie ein syrischer Folterüberlebender durch Kunst gegen das Vergessen kämpft
Emilia KönigWie ein syrischer Folterüberlebender durch Kunst gegen das Vergessen kämpft
Ein neuer Graphic Novel erzählt die erschütternde Geschichte von Akram Al Saud, einem syrischen Folterüberlebenden unter dem Assad-Regime.„Al-Fazia’: Das Grauen“ ist das Ergebnis eines kanadischen Forschungsprojekts, das Künstler mit Menschen zusammenbringt, die staatliche Gewalt erlitten haben. Der deutsche Comiczeichner Tobi Dahmen, bekannt für seine akribisch recherchierten Werke, lässt Al Sauds Leiden mit Feingefühl und Detailtreue lebendig werden.
Akram Al Saud verbrachte 26 Jahre unter der Unterdrückung der Regierung von Baschar al-Assad in Syrien. Als Student in Aleppo schloss er sich Protesten gegen das Regime an und geriet schnell ins Visier des syrischen Geheimdienstes. Im Laufe der Jahre wurde er viermal inhaftiert, gefoltert und immer wieder gedemütigt, bis ihm schließlich die Flucht nach Europa gelang.
In seinen dunkelsten Stunden schwor Al Saud, sich zu widersetzen und zu überleben. Heute erhebt er seine Stimme für diejenigen, die zum Schweigen gebracht wurden – nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben über 100.000 Menschen in Assads Haftzentren und Folterkammern.
Tobi Dahmen, der Schöpfer des preisgekrönten Werks „Columbusstraße“, nahm sich der Aufgabe an, Al Sauds Geschichte zu dokumentieren. Sein Ansatz verzichtet auf explizite Gewaltdarstellungen und setzt stattdessen auf eine zurückhaltende Bildsprache, die das Trauma ohne Sensationslust vermittelt. Herausgekommen ist „Al-Fazia’: Das Grauen“, ein dokumentarischer Comic, der Ehrlichkeit mit Respekt vor den Erfahrungen des Überlebenden verbindet.
Der Graphic Novel steht nun als Zeugnis von Al Sauds Widerstandskraft und den Gräueltaten, denen unzählige andere ausgesetzt waren. Durch Dahmens Arbeit erreicht seine Geschichte ein breiteres Publikum und sorgt dafür, dass die Verbrechen des Assad-Regimes weder in Vergessenheit geraten noch ignoriert werden. Das Projekt unterstreicht zudem die Bedeutung von Kunst bei der Bewahrung der Erinnerungen von Überlebenden.






