27 March 2026, 18:06

Vom Schweizer Meme zum Rechtsstreit: Wie "Jaa Richiii!" die Privatsphäre einer Familie sprengte

Schwarze und weiße Werbung für Friedrich Steinfels in Zürich, die Bilder von Gebäuden, Menschen und Text zeigt.

Vom Schweizer Meme zum Rechtsstreit: Wie "Jaa Richiii!" die Privatsphäre einer Familie sprengte

Ein virales Schweizer Meme aus dem Jahr 2010 hat eine langjährige Kontroverse über die kommerzielle Nutzung und den Schutz der Privatsphäre ausgelöst. Der Clip, der einen Jungen namens Richi zeigt, der von einem Bagger fällt, während sein Vater erschrocken ruft, wurde zu einem kulturellen Phänomen. Mit der Zeit entwickelte es sich zu Merchandise-Artikeln, einem Hit-Song und sogar zur inoffiziellen Hymne eines Eishockeyteams – bis sich die betroffene Familie dagegen zur Wehr setzte.

Das Meme entstand 2010 während einer Folge der SRF-Dokumentationsreihe "Auf und davon". Die Szene zeigt, wie der junge Richi Schömbächler vom Bagger stürzt, woraufhin sein Vater Hermann ausruft: "Jaa Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!" Der Ausschnitt verbreitete sich rasant im Internet und erreichte über eine Million Aufrufe auf YouTube.

Bis 2022 hatte sich das Meme zu einer kommerziellen Marke entwickelt. Das Unternehmen Swissmeme verkaufte Socken, Poster und ein Kinderbuch mit Motiven aus dem Clip. Im selben Jahr veröffentlichte die Schweizer Band Stubete Gäng den Song "Richi", der das Baggengeräusch mit Hermanns Ruf kombinierte. Der Track wurde überraschend zum Hit, erreichte 8 Millionen Streams auf Spotify und 3 Millionen Aufrufe auf YouTube. 2024 übernahm ihn die Schweizer Eishockeynationalmannschaft sogar als Torjubelhymne.

Die Familie Schömbächler, die mittlerweile in Kanada lebt, hatte jahrelang Medienaufmerksamkeit gemieden, um ihre Privatsphäre zu schützen. Doch 2026 meldete sie sich zu Wort und kritisierte die respektlose und unlautere Verwendung ihres Bildes und ihrer Stimmen. Händler wie Galaxus und Brack zogen "Richi"-Produkte aus dem Sortiment, während Swissmeme eine Umsatzbeteiligung anbot. Auch der Schweizer Eishockeyverband verzichtete fortan auf den Song als Torhymne.

Stubete Gäng reagierte mit der Ankündigung einer überarbeiteten Version von "Richi" – diesmal ohne Hermanns Stimme. Swissmeme hingegen verkauft weiterhin entsprechende Merchandise-Artikel und erklärt, dass die Gespräche mit dem SRF, das Teile der Rechte an den Aufnahmen besitzt, noch andauern.

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Der Streit hat zu Veränderungen in der Nutzung des Memes geführt, insbesondere in der Schweiz. Händler haben nicht autorisierte Produkte aus dem Verkehr gezogen, und der Song ertönt nicht mehr in Eishallen. Dennoch sind einige kommerzielle Artikel weiterhin erhältlich. Die Bedenken der Familie verdeutlichen die anhaltenden Spannungen zwischen viralem Ruhm und dem Recht auf Privatsphäre.

Quelle