Vom Fahrradkarton zur einflussreichen Stimme: Die Geschichte der Jungen Freiheit
Noah WernerVom Fahrradkarton zur einflussreichen Stimme: Die Geschichte der Jungen Freiheit
Dieter Stein gründete die Junge Freiheit 1986 als kleine konservative Zeitung. Die ersten 400 Exemplare transportierte er in einem Pappkarton auf seinem Fahrrad nach Hause. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Blatt zu einer einflussreichen Stimme – wenn auch nicht ohne Kontroversen.
Stein, der sich selbst als konservativ bezeichnet, die Bezeichnung „Neue Rechte“ jedoch ablehnt, gründete die Zeitung, um dem zu begegnen, was er als linksgerichtete Dominanz in Medien und Wissenschaft wahrnahm. Sein Weg war von Bedrohungen, Überwachung und einem Umzug von Freiburg nach Berlin geprägt – noch vor dem Regierungswechsel in die wiedervereinte Hauptstadt.
Die Anfänge der Jungen Freiheit waren bescheiden. 1986 brachte Stein die Erstausgabe persönlich zu den Lesern – gedruckt in einer Auflage von nur 400 Exemplaren. Sein Ziel war klar: eine Alternative zum aus seiner Sicht linkslastigen Medienland zu schaffen.
Mitte der 1990er-Jahre spitzte sich die Lage zu. 1995 wurde Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt – ein gewalttätiger Akt, der die Polarisierung um die Zeitung unterstrich. Zur gleichen Zeit begann das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), die Junge Freiheit wegen des Verdachts auf extremistische Verbindungen zu beobachten. Stein wies solche Vorwürfe stets zurück und betonte die Unabhängigkeit des Blattes.
Der Umzug der Redaktion von Freiburg nach Berlin Anfang der 1990er-Jahre rückte die Zeitung ins Zentrum des politischen Diskurses – noch vor dem Umzug der Bundesregierung in die wiedervereinte Hauptstadt. Trotz aller Kritik blieb Stein standhaft, selbst als ihn während der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum der Zeitung sein eigenes Social-Media-Team mit Fragen konfrontierte.
Steins persönliche Haltung fügt der Geschichte eine weitere Facette hinzu. Zwar befürwortet er grundsätzlich den Wehrdienst, respektiert aber die Entscheidung seines Sohnes, nicht zu dienen. Gerüchte, wonach die rechtspopulistische AfD die Junge Freiheit finanziert, wies er als haltlos zurück. Seine konservative Grundhaltung, so argumentiert er, habe nichts mit der „Neuen Rechten“ zu tun, mit der das Blatt oft in Verbindung gebracht wird.
Was als kleines Projekt mit einer Auflage von 400 Exemplaren begann, ist heute eine langjährige Publikation mit einer Geschichte voller juristischer Prüfungen und öffentlicher Debatten. Unter Steins Führung blieb die Junge Freiheit stets im Rampenlicht – sei es durch ihre redaktionelle Linie oder durch seine Reaktionen auf Kritik und Kontroversen.






