Theater hinter Gittern: Wie Häftlinge in Wiesbaden auf der Bühne Freiheit finden
Emilia KönigTheater hinter Gittern: Wie Häftlinge in Wiesbaden auf der Bühne Freiheit finden
Theaterprojekt in hessischem Gefängnis: Seit 17 Jahren eine Bühne für Häftlinge
Seit 2008 nehmen über 150 Inhaftierte der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden jährlich an Theaterproduktionen teil – in diesem Jahr lockte das Stück rund 80 Zuschauer an. Die Initiative des Theater Wiesbaden setzt auf kreative Ausdrucksformen, um die Resozialisierung der Gefangenen zu fördern.
Das Projekt startete 2008 unter der Leitung von Thomas Kohl als Kooperation zwischen dem Theater und der Justizvollzugsanstalt. Jedes Jahr wird eine neue Inszenierung einstudiert und aufgeführt, wobei die Karten meist innerhalb weniger Tage vergriffen sind. In diesem Jahr entschied sich Regisseur Matze Vogel für DNA des britischen Autors Dennis Kelly – ein Stück, das sich mit Gruppendynamik unter Jugendlichen und der Eskalation von Gewalt auseinandersetzt.
Die Justizvollzugsanstalt verfügt über eine eigene Studiobühne, die in Deutschland einzigartig ist. Nach der Aufführung erntete das Ensemble begeisterten Applaus und bedankte sich mit mehreren Verbeugungen. Kostümbildnerin Nathalie Meyer, die seit einem Jahrzehnt an dem Projekt mitwirkt, sorgt dafür, dass die Darsteller aktiv an der Gestaltung ihrer Kostüme und der Bühnengestaltung mitwirken.
Für die Inhaftierten bedeutet Theater weit mehr als nur eine Aufführung. Ein Schauspieler, der hier nur als J. genannt wird, beschreibt es als ein Gefühl von Freiheit. Ein anderer, E., erklärt, dass das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen ihm helfe, die eigenen Emotionen besser zu verstehen. Das Programm ist Teil eines umfassenderen Resozialisierungsansatzes, der die Teilnehmer auf das Leben nach der Entlassung vorbereitet.
Das Projekt wird mindestens bis 2025 jährlich fortgeführt und bleibt ein fester Bestandteil der Resozialisierungsstrategie der Anstalt. Die Theaterinitiative der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden bietet seit ihrem Start über 150 Häftlingen eine kreative Plattform. Stücke wie DNA unterhalten nicht nur das Publikum, sondern unterstützen die Inhaftierten dabei, soziale Kompetenzen und emotionales Bewusstsein zu entwickeln. Das Projekt bleibt eine Besonderheit im deutschen Strafvollzug – eine gelungene Verbindung von Kunst und Resozialisierung.






