Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik beim historischen Besuch
Greta WagnerSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik beim historischen Besuch
Ahmed al-Scharaa, Syriens Übergangspräsident, ist in Berlin zu hochrangigen Gesprächen eingetroffen. Der Besuch markiert das erste offizielle Zusammentreffen zwischen Deutschland und der syrischen Übergangsregierung seit dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad Ende 2024. Zivilgesellschaftliche Gruppen reagieren mit einer Mischung aus vorsichtigem Optimismus und scharfer Kritik auf die Schwerpunkte und Prioritäten des Treffens.
Al-Scharaas Reise umfasst eine deutsch-syrische Wirtschaftskonferenz am 30. März 2026, bei der es vor allem um den Wiederaufbau, Energieprojekte und den bilateralen Handel gehen soll. Die deutsche Regierung betont die wirtschaftliche Zusammenarbeit, doch Kritiker werfen ihr vor, damit Forderungen nach demokratischen Reformen zu vernachlässigen. Jürgen Hardt (CDU/CSU) mahnte zur Inklusivität und unterstrich, dass alle syrischen Gruppen eine Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Landes spielen müssten.
Menschenrechtsaktivisten äußerten Bedenken hinsichtlich der Ausrichtung des Besuchs. Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Initiative Adopt a Revolution, nannte die Einladung einen "richtigen Schritt", warnte jedoch, dass al-Scharaas Regierung zunehmend autoritär agiere. Sie bestand darauf, dass jede deutsche Unterstützung an klare Bedingungen für den Demokratieaufbau und rechtliche Garantien für Syrer geknüpft sein müsse – einschließlich jener in Deutschland, die zurückkehren wollten.
Farhad Ahma von PEL-Civil Waves kritisierte, dass Berlin ausschließlich mit der Übergangsregierung verhandle, lokale Gemeinschaften aber ignoriert werde. Seine und andere Organisationen fordern, dass Wiederaufbaumaßnahmen die syrische Zivilgesellschaft einbeziehen und die Bürgerbeteiligung priorisieren. Gleichzeitig warnten die Grünen vor einer zu schnellen Normalisierung der Beziehungen und verwiesen auf die anhaltende Instabilität in Teilen Syriens.
Bischoff verurteilte zudem Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, deutsche Hilfe an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen zu knüpfen. Den Sturz des Assad-Regimes bezeichnete sie als historische Chance für die Demokratie – eine Gelegenheit, die nicht durch kurzsichtige politische Deals vertan werden dürfe.
Der Besuch hat die tiefen Spannungen über den deutschen Kurs in der Syrien-Politik offenbart. Während die wirtschaftlichen Gespräche voranschreiten, drängen zivilgesellschaftliche Gruppen weiter auf demokratische Sicherungen und eine breitere Einbindung in die Wiederaufbaupläne. Die Ergebnisse von al-Scharaas Gesprächen in Berlin werden voraussichtlich die künftige Zusammenarbeit prägen – und entscheiden, ob das deutsche Engagement Syriens fragilen Übergang stärkt oder untergräbt.






