Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović gedenkt abseits der offiziellen Veranstaltung
Emilia KönigErinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff fordert Vielfalt - Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović gedenkt abseits der offiziellen Veranstaltung
Sechs Jahre nach dem tödlichen rechtsextremen Anschlag in Hanau versammelten sich Angehörige und Freunde, um an Hamza Kurtović zu erinnern – eines von neun Opfern, die am 19. Februar 2020 ermordet wurden. Während die Familie Kurtović eine private Gedenkfeier abhielt, fand zeitgleich eine offizielle Veranstaltung der Staatsvertreter statt, an der sie nicht teilnahmen.
Der Täter, ein 43-jähriger Deutscher, hatte 2020 gezielt Menschen mit Migrationshintergrund angegriffen, bevor er seine Mutter tötete und sich anschließend selbst das Leben nahm.
Seit Langem kritisiert die Familie Kurtović die Aufarbeitung des Falls. Sie werfen den Ermittlern vor, zentrale Details vernachlässigt zu haben – darunter einen verschlossenen Notausgang am zweiten Tatort. Im November vergangenen Jahres reichten Hamzas Eltern, Armin und Dijana Kurtović, eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein und fordern eine umfassendere Untersuchung des Todes ihres Sohnes.
An der privaten Gedenkveranstaltung nahmen unter anderem Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, und Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau, teil. Unterdessen sprach der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff bei der offiziellen Feier und mahnte, Diskriminierung entschlossener entgegenzutreten. Er forderte einen stärkeren Einsatz für Vielfalt und warnte davor, Rassismus zu ignorieren.
Seit dem Anschlag wächst die öffentliche Empörung über rassistische Gewalt – angetrieben durch Massenproteste und mediale Aufmerksamkeit. Dennoch sehen sich die Behörden weiterhin mit Kritik konfrontiert: wegen zögerlicher Ermittlungen und ungelöster rechtsextremer Bedrohungen. Skandale wie die Enthüllungen zur "NSU 2.0"-Affäre 2023 und der Aufstieg rechtsextremer Gruppen unterstreichen die anhaltenden Versäumnisse – trotz politischer Bekundungen und Gedenkveranstaltungen.
Die Abwesenheit der Familie Kurtović bei der staatlichen Veranstaltung verdeutlicht ihre anhaltende Unzufriedenheit mit den Ermittlungen. Ihr Rechtsbehelf bleibt anhängig, während die Debatte über Deutschlands Umgang mit rechtsextremer Gewalt weitergeht. Der Anschlag wirkt nach – als Mahnmal für Solidarität, aber auch für unbeantwortete Fragen.






