Schuldenbremse-Reform könnte Deutschlands Staatsverschuldung auf fast 100 **Prozent** treiben
Noah WernerIMK warnt vor einer Verschuldungsquote von 100 Prozent aufgrund von Ausnahmen von der Schuldenbremse - Schuldenbremse-Reform könnte Deutschlands Staatsverschuldung auf fast 100 **Prozent** treiben
Eine neue Studie warnt, dass die Staatsverschuldung Deutschlands stark ansteigen könnte, wenn die Ausgaben für Verteidigung von den Haushaltsregeln ausgenommen werden. Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) haben die Auswirkungen der geplanten Reform der Schuldenbremse unter der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz analysiert. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass unbegrenzte Kreditaufnahmen für militärische Zwecke das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2050 auf fast 100 Prozent treiben könnten.
Die von Merz geführte Mitte-rechts-Koalition hat eine grundlegende Überarbeitung der verfassungsmäßigen Schuldenbremse versprochen. Eine Expertenkommission begann Anfang September mit der Prüfung der Reformvorschläge. Die geplanten Änderungen würden es ermöglichen, durch neue Kredite die steigenden Verteidigungsausgaben zu finanzieren – ein Schritt, den das IMK als dramatischen Anstieg der Staatsverschuldung bewertet.
Die Studie stellt dies den Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität gegenüber. Wird ein Sondervermögen für diese Bereiche vollständig genutzt, könnte das BIP-Wachstum bis Mitte der 2040er-Jahre um 1,4 Prozent steigen. Solche Ausgaben würden die Produktionskapazitäten und die Wirtschaftsleistung erhöhen und den Schuldenstand nur vorübergehend ansteigen lassen. Militärische Ausgaben tragen hingegen weit weniger zum langfristigen Wachstum bei. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, kritisierte die Reform als Einschränkung der Investitionsflexibilität, während der Verteidigung unbegrenzte Kreditspielräume eingeräumt würden. Das Institut schlug eine einmalige Vermögensabgabe auf große Vermögen vor, um die militärischen Bedürfnisse zu decken. Zudem empfahl es, nur produktive Staatsinvestitionen für eine langfristige Kreditfinanzierung zu qualifizieren.
Aktuell liegt die Schuldenquote Deutschlands bei knapp unter 65 Prozent des BIP. Ohne Änderungen prognostiziert das IMK, dass sie bis 2050 fast 100 Prozent erreichen könnte, falls die Verteidigungsausgaben weiterhin von den Haushaltsgrenzen ausgenommen bleiben.
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Auswirkungen von Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben auf die Schuldenlast. Während Investitionen in Klima und Verkehr das Wachstum fördern und die Schulden stabilisieren, bergen militärische Ausnahmen das Risiko eines starken Anstiegs der Verschuldung. Die Reformpläne der Regierung werden voraussichtlich weiter auf den Prüfstand gestellt, während die Expertenkommission ihre Arbeit fortsetzt.