Sachsen lockt internationale Studierende mit rückzahlbaren Gebühren als Fachkräfte von morgen
Noah WernerSachsen lockt internationale Studierende mit rückzahlbaren Gebühren als Fachkräfte von morgen
Deutschland steht vor wirtschaftlichen Herausforderungen durch eine alternde Belegschaft und steigende Energiekosten. Um dem entgegenzuwirken, erkunden einige Bundesländer neue Wege, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Ein aktueller Vorschlag aus Sachsen sieht vor, von internationalen Studierenden Studiengebühren zu erheben – allerdings mit einer Besonderheit, die sie zum Bleiben motivieren soll.
Die meisten europäischen Länder verlangen von internationalen Studierenden Gebühren, oft über 500 Euro pro Semester. Rund zwei Drittel erheben zusätzliche Kosten für Studierende aus Staaten außerhalb der EU oder des EWR. In Deutschland sind staatliche Hochschulen in der Regel gebührenfrei, mit Ausnahme von Zweitstudiengängen in einigen Bundesländern, wo die Kosten zwischen 350 und 700 Euro pro Semester liegen. Baden-Württemberg erhebt seit 2017 von Nicht-EU-Studierenden 1.500 Euro pro Semester.
Nun hat die AfD-Fraktion im sächsischen Landtag einen ähnlichen Vorschlag eingebracht: 1.500 Euro pro Semester für internationale Studierende. Doch ihr Modell beinhaltet eine Rückerstattungsoption: Wer nach dem Abschluss mindestens fünf Jahre steuerpflichtig in Sachsen arbeitet, erhält die Gebühren zurück. Damit sollen aus kurzfristigen Studierenden langfristige Fachkräfte für die Region werden.
Studien belegen, dass internationale Studierende wirtschaftliche Vorteile bringen. Das Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IW) berechnete, dass 1.000 Erstsemester aus dem Ausland über 44 Jahre hinweg eine Wertschöpfung von 620 Millionen Euro generieren – selbst wenn viele nach dem Studium das Land verlassen. Die 79.000 internationalen Erstsemester, die 2022 in Deutschland ihr Studium begannen, sollen allein einen öffentlichen Überschuss von 7,36 Milliarden Euro erwirtschaften. Gleichzeitig schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass ein jährlicher Netto-Zuzug von 400.000 Menschen bis 2035 die deutsche Erwerbsbevölkerung stabilisieren würde.
Aktuell tragen deutsche Steuerzahler jährlich rund 11.000 Euro pro Studierenden. Der sächsische Vorschlag könnte diese Last verringern und gleichzeitig Fachkräfte für die Region sichern.
Das Modell aus Sachsen bietet eine Möglichkeit, Bildung zu finanzieren und Absolventen im Land zu halten. Bei Erfolg könnte es Schulbeispiel für andere Regionen werden. Angesichts einer möglichen „verlorenen Dekade“ durch demografischen und wirtschaftlichen Druck könnten solche Ansätze helfen, Wachstum und Arbeitsmarktstabilität zu erhalten.






