Ostdeutsche Chemieindustrie kämpft ums Überleben – Domo vor entscheidender Rettung
Claudia SeidelOstdeutsche Chemieindustrie kämpft ums Überleben – Domo vor entscheidender Rettung
Die chemische Industrie in Ostdeutschland steht vor dem dritten Krisenjahr in Folge. Die traditionelle chemische Produktion ist um etwa drei Prozent zurückgegangen, während die Fabriken nur noch zu 72 Prozent ausgelastet sind. Bei einem entscheidenden Treffen am Mittwoch wird es um die Zukunft von Domo gehen, einem angeschlagenen Chemieunternehmen am Standort Leuna.
Hohe Kosten und harter Wettbewerb haben die Branche in eine anhaltende Krise gestürzt. Die Preise für Energie und Rohstoffe bleiben auf hohem Niveau, während strenge Vorschriften und globale Konkurrenten den Druck erhöhen. Geopolitische Spannungen, darunter der Nahostkonflikt, verschärfen die Lage zusätzlich.
Der Gesamtumsatz des Sektors lag 2025 bei rund 28,5 Milliarden Euro – ein minimaler Anstieg von nur 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses bescheidene Wachstum ging allein auf die Pharmaindustrie zurück, während die klassische Chemieproduktion schrumpfte. Arbeitsplatzabbau war die Folge: In der gesamten Branche sind mittlerweile nur noch etwa 63.000 Menschen beschäftigt.
Für Domo zeichnet sich jedoch eine mögliche Rettung ab. Der Standortbetreiber InfraLeuna und das Unternehmen Leuna-Harze wollen die beiden insolventen Tochtergesellschaften übernehmen. Sollte der Plan gelingen, könnte dies ein dringend benötigtes positives Signal für die angeschlagene Branche sein. Doch die Stimmung bleibt gedrückt: Nur jedes zehnte Unternehmen erwartet in naher Zukunft eine Besserung der Lage.
Am Mittwoch werden Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, der Insolvenzverwalter und Vertreter des Chemieparks über die nächsten Schritte für Domo beraten. Die Rettung von Domo könnte ein seltener Lichtblick für die ostdeutsche Chemieindustrie sein. Angesichts rückläufiger Produktion, schrumpfender Arbeitsplätze und kaum Anzeichen einer Erholung bleiben die Herausforderungen enorm. Das Ergebnis der Gespräche am Mittwoch könnte die Zukunft eines der wichtigsten Arbeitgeber der Region entscheidend prägen.






