New Yorks Aprilscherz-Umzug fällt aus – und wird selbst zur perfekten Finte
Emilia KönigNew Yorks Aprilscherz-Umzug fällt aus – und wird selbst zur perfekten Finte
New Yorks jährlicher Aprilscherz-Umzug sorgt erneut für Verwirrung – diesmal, weil er gar nicht stattfand
Zum alljährlichen Aprilscherz-Umzug in New York strömten einmal mehr Medienvertreter und Schulkapellen entlang der Fifth Avenue – doch statt einer Parade fanden sie nur leere Straßen vor. Die seit 1986 vom Scherzkeks Joey Skaggs organisierte Veranstaltung ist längst zu einem Lackmustest dafür geworden, wie weit Medien für eine Story gehen.
Eigentlich sollte der Umzug "das Recht der Öffentlichkeit, über Autoritäten zu lachen", feiern und die Menschen ermutigen, ihre "angeborene Albernheit" zu umarmen. Doch stattdessen wurden Reporter und Teilnehmer selbst zu Teilnehmern von Skaggs' neuestem Streich: Auf dem Programm standen dieses Jahr ein Double des Präsidenten, die Vorführung einer "Melania-Mockumentary" und die Verlesung geschwärzter Namen aus den Jeffrey-Epstein-Akten – alles nur erfunden.
Seit Jahrzehnten nutzt Skaggs die Medien als seine künstlerische Leinwand und enthüllt, wie leichtgläubig Menschen sind, wenn es um vermeintliche Fakten geht. Zu seinen berühmtesten Coups zählen ein "Freudenhaus für Hunde" (1976), bei dem er behauptete, ein Bordell für Haustiere zu eröffnen, sowie eine erfundene "Klopapier-Knappheit" (1973), die Käufer in Panik versetzte. 1985 brachte er sogar Sports Illustrated dazu, über einen fiktiven Pitching-Talent der Mets namens Hayden "Sidd" Finch zu berichten.
Die Tradition der Aprilscherze in New York reicht weit zurück. 1998 gab David Bowie etwa eine Party für die angebliche Gründung eines Verlages – ein britischer Schriftsteller erschien ahnungslos. Skaggs' frühere Umzüge beinhalteten einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-"Weltuntergangs"-Feier. Jahr für Jahr verschwimmen bei seinen Aktionen die Grenzen zwischen Satire und Realität, sodass Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen ins Grübeln geraten: Was ist wirklich wahr?
Diesmal fand zwar keine Parade statt, doch der Streich erfüllte seinen Zweck: Er zeigte, wie schnell sich falsche Informationen verbreiten. Skaggs' Scherze decken seit über 30 Jahren schonungslos auf, wie bereitwillig Medien Geschichten ohne Überprüfung aufgreifen. Mit seinen Aprilscherzen verwandelt er New York Jahr für Jahr in eine Bühne, auf der nicht nur gelacht, sondern auch das Glauben selbst hinterfragt wird.






