Neuer Markt für Momentanreserve stabilisiert Deutschlands Stromnetz mit Millisekunden-Reaktion
Noah WernerNeuer Markt für Momentanreserve stabilisiert Deutschlands Stromnetz mit Millisekunden-Reaktion
Deutschlands Stromnetz hat ein neues Werkzeug, um plötzliche Leistungsschwankungen auszugleichen. Seit dem 22. Januar 2026 gibt es einen Markt für Momentanreserve – einen Schnellreaktionsdienst, mit dem Betreiber von Batteriespeichern durch blitzschnelle Leistungsanpassungen zusätzliche Einnahmen erzielen und gleichzeitig die Netzfrequenz stabilisieren können.
Die neue Dienstleistung steckt noch in den Kinderschuhen. Stand 24. Februar 2026 hatte noch kein Anbieter alle technischen und betrieblichen Voraussetzungen erfüllt, um sie vollständig anzubieten.
Die Momentanreserve fungiert als eine Art Notbremse für das Stromnetz. Bei aktiven Leistungsungleichgewichten, die die Frequenzstabilität bedrohen, greift das System innerhalb von Millisekunden ein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Reserveleistungen erfordert es dabei nur minimal gespeicherte Energie: Eine 100-MW/100-MWh-Batterie müsste lediglich etwa 35 kWh vorhalten, um teilnehmen zu können.
Betreiber können sich für bis zu zehn Jahre feste Preise sichern und erhalten so langfristige Planungssicherheit. Das finanzielle Potenzial ist beachtlich: Ein 100-MW/100-MWh-System mit einer Überlastkapazität von 62 MW könnte bis zu 4.050 Megawattsekunden Momentanreserve vertraglich zusichem. Bei voller Vermarktung ließe sich damit ein zusätzlicher Jahresertrag von bis zu 3,6 Millionen Euro erzielen.
Der Schlüssel liegt in ungenutzter Wechselrichterkapazität. Viele moderne Batteriesysteme – insbesondere Ein-Stunden-Speicher – verfügen im Normalbetrieb über Reserven. Ein 100-MW/200-MWh-System könnte beispielsweise bei Bedarf zusätzliche 62 MW Leistung bereitstellen. Diese Flexibilität ermöglicht es Ein-Stunden-Speichern, eine Verfügbarkeit von über 90 Prozent für die Momentanreserve zu erreichen.
Die Einnahmemöglichkeiten hängen von der Systemgröße ab. Pro Megawatt lassen sich bis zu 36.000 Euro jährlich erzielen. Branchenexperten betonen jedoch, dass die Momentanreserve allein die Kosten eines Batteriekraftwerks nicht decken wird. Vielmehr dient sie als lukrative Zusatzoption für bestehende Speicheranlagen, die ohnehin bereits andere Netzdienstleistungen erbringen.
Der Markt funktioniert über ein wettbewerbliches Bieterverfahren. Preise und Verträge werden nach Angebot und Nachfrage bestimmt, wobei Betreiber frei wählen können, welche Konditionen zu ihrem Geschäftsmodell passen. Das System belohnt Schnelligkeit und Zuverlässigkeit – ideal für moderne Batterietechnologien mit kurzen Reaktionszeiten.
Die Momentanreserve bietet Speicherbetreibern eine neue Einnahmequelle ohne hohe Investitionen. Dank des geringen Energiebedarfs und der hohen Verfügbarkeit ist sie besonders attraktiv für bestehende Anlagen. Mit der Marktreife wird erwartet, dass immer mehr Anbieter die technischen Standards erfüllen und einsteigen.
Aktuell bleibt die Momentanreserve eine ergänzende Einnahmequelle. Doch mit langfristigen Verträgen und wachsendem Bedarf an Netzstabilität könnte ihre Rolle in der Energiewende Deutschlands künftig deutlich an Bedeutung gewinnen.






