27 April 2026, 12:10

Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – nur alle 90 Jahre eine Prüfung

Eine Liniengrafik, die die Löhne in den Vereinigten Staaten zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – nur alle 90 Jahre eine Prüfung

Drastischer Rückgang bei Lohnkontrollen löst Kritik in Sachsen-Anhalt aus

Der starke Rückgang bei der Durchsetzung von Mindestlöhnen hat in Sachsen-Anhalt für Aufsehen gesorgt. Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von "Vollzugsblindheit" und verweist auf massive Personalengpässe. Angesichts der geplanten Erhöhung des Mindestlohns im Jahr 2027 mehren sich nun die Forderungen nach schnellem Handeln.

Die Zahl der Betriebsprüfungen in Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Noch 2022 führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) 1.598 Kontrollen durch – 2025 waren es nur noch 691. Bei diesem Tempo muss ein Unternehmen im Schnitt nur alle 90 Jahre mit einer Überprüfung rechnen.

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In der Landwirtschaft sieht die Lage noch düsterer aus: Von 2.105 Betrieben wurden 2025 lediglich neun kontrolliert. Hochgerechnet würde ein einzelner Hof damit nur alle 234 Jahre überprüft.

Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 13,90 Euro, 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. Dennoch verdienen in Sachsen-Anhalt noch immer 23,3 Prozent der Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde. In nicht tarifgebundenen Betrieben sind es sogar 35 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Unternehmen im Land von 65.738 (2022) auf 62.211 (2025) gesunken.

Schliesing fordert spezielle Staatsanwälte für Lohnverstöße sowie dringend Verstärkung für den Zoll. Seine Kritik bezieht sich auch auf das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung, den Mindestlohn bis 2026 auf 15 Euro anzuheben – ein Vorhaben, das nun in weite Ferne gerückt scheint.

Mit Blick auf die geplante Lohnerhöhung 2027 wird die Debatte um faire Bezahlung und deren Kontrolle weiter an Fahrt aufnehmen. Angesichts historisch niedriger Kontrollquoten und eines großen Teils der Beschäftigten, die weiterhin unter 15 Euro verdienen, wächst der Druck auf strengere Überwachung. Die Entwicklungen werden die Arbeitsbedingungen in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren prägen.

Quelle