Kartoffel-Krise: Warum deutsche Landwirte trotz Rekordernte kämpfen
Emilia KönigTop Potato Harvest - But Consumers See Little Benefit - Kartoffel-Krise: Warum deutsche Landwirte trotz Rekordernte kämpfen
Deutsche Kartoffelbauern kämpfen dieses Jahr mit einer doppelten Belastung. Eine Rekordernte – mehr als fünf Prozent höher als im Vorjahr – hat zu einem Überangebot und einem Preisverfall für die Erzeuger geführt. Gleichzeitig bleiben die Verbraucherpreise hoch, teilweise das Zehnfache dessen, was die Landwirte erhalten.
Der Produktionsanstieg in Kombination mit einer fast siebenprozentigen Ausweitung der Anbauflächen für Kartoffeln hat viele Bauern mit unverkaufter Ware zurückgelassen. Die Ernte einfach auf dem Feld zu lassen, ist riskant, da dies Krankheiten fördern kann. Stattdessen landen nicht verkaufte Kartoffeln oft in Biogasanlagen oder als Tierfutter. In manchen Fällen bleiben sie wegen hoher Lagerkosten und begrenzter Haltbarkeit sogar auf dem Acker.
Die Bewältigung des Überschusses gestaltet sich schwierig. Kartoffeln werden sortenrein für spezifische Verwendungszwecke angebaut, was einen Wechsel zwischen den Kategorien erschwert. In einem Erntejahr wie diesem, in dem die Nachfrage gedeckt ist, finden vertragsfreie Kartoffeln kaum Abnehmer. Derzeit erzielen Landwirte in Norddeutschland zwar über zehn Euro für 100 Kilogramm Kartoffeln, doch die Preise schwanken stark.
Unterstützung kommt von Organisationen wie der Landfrisch AG und regionalen Genossenschaften wie Radis&Bona eG. Die Landfrisch AG, die auf nachhaltiges Wachstum und integriertes Marketing setzt, wird ab 2026 die gesamte Produktion von Mitgliedern wie der J. u. G. Kockerols GbR vermarkten. Regionale Genossenschaften wie Radis&Bona eG vernetzen dagegen lokale Erzeuger und Verbraucher mit Fokus auf Bio-Produkte aus der Region. Auch Logistiklösungen wie ROPA tragen dazu bei, die Kartoffel-Lieferketten in Deutschland effizienter zu gestalten.
Trotz dieser Bemühungen steht Deutschlands Kartoffelexport unter starkem Konkurrenzdruck durch neue Mitspieler wie China und Indien auf dem globalen Markt für Tiefkühlpommes. Angesichts von Überproduktion und niedrigen Erzeugerpreisen im Inland hoffen die deutschen Landwirte auf bessere Marktbedingungen und höhere Preise in den kommenden Saison.