08 January 2026, 04:19

Hans-Jochen Wagner trauert um das alte Kreuzberg – und seine verlorene Seele

Graffiti-bedeckter Zug mit sichtbaren Kabeln, Häuser mit Fenstern im Hintergrund.

Hans-Jochen Wagner trauert um das alte Kreuzberg – und seine verlorene Seele

Hans-Jochen Wagner, bekannt als Kommissar Friedemann Berg aus dem Tatort, lebt seit fast 25 Jahren in Berlins Kreuzberg. Doch der Schauspieler erlebt mit, wie sich der Kiez, den er einst liebte, unter dem Druck von Gentrifizierung und explodierenden Mieten verändert.

In den 1990er-Jahren kam Wagner erstmals nach Kreuzberg – eine Zeit, in der das Viertel wild, offen und voller kreativer Energie war. Er erinnert sich an einen Ort, an dem Bezahlbarkeit und Vielfalt blühten und Künstler, Aktivisten sowie Menschen aus allen Lebensbereichen anzogen.

Heute zeigt sich Kreuzberg in einem anderen Licht. Steigende Immobilienpreise und der Zuzug wohlhabenderer Bewohner haben den Stadtteil umgekrempelt. Der Schauspieler beschreibt einen stetigen Rückgang des bürgerlichen Engagements: Immer mehr Menschen ziehen sich ins Private zurück, statt sich in Gemeinschaftsprojekten einzubringen. Als politisch aktiver Mensch und Unterstützer der Grünen setzt sich Wagner seit Langem für gesellschaftlichen Wandel ein. Doch er gibt zu, dass Kreuzberg nicht mehr das ist, was es einst war. Der Verlust seines einzigartigen Charakters, so seine Überzeugung, geht auf die finanziellen Zwänge zurück, die langjährige Anwohner und kleine Läden verdrängen.

Privat teilt Wagner sein Berliner Leben mit seiner Frau, der Schauspielerin und Regisseurin Nana Neul. Gemeinsam beobachten sie, wie sich das Gesicht eines Viertels wandelt, das einst ihr Erleben der Stadt prägte.

Wagners Beobachtungen spiegeln die größeren Veränderungen in Kreuzberg wider, wo Bezahlbarkeit und kulturelle Vielfalt schwinden. Seine Perspektive zeigt, wie sehr die Gentrifizierung eine Gemeinschaft verändert, die einst für Kreativität und Offenheit stand. Seine Sorgen teilen viele langjährige Bewohner, die mit ansehen müssen, wie ihr Kiez ihnen entgleitet.