Handwerk fordert Ende des Sonntagsbackverbots und der Belegpflicht – doch die Politik blockiert
Emilia KönigHandwerk: 'Aufheben des 'Sonntagsbackverbots' für Bäcker' - Handwerk fordert Ende des Sonntagsbackverbots und der Belegpflicht – doch die Politik blockiert
Deutsches Handwerk drängt auf Reformen bei zwei langjährigen Regelungen
Die deutschen Handwerksbetriebe fordern Änderungen an zwei seit langem geltenden Vorschriften. Die erste betrifft das sogenannte "Sonntagsbackverbot", das regelt, wie lange Bäckereien in der Nähe an Ruhetagen arbeiten dürfen. Die zweite ist die Belegausgabepflicht, die zwar der Steuerhinterziehung entgegenwirken soll, aber wegen der entstehenden Abfallmengen und zusätzlichen Kosten in der Kritik steht. Beide Themen verdeutlichen die anhaltenden Spannungen zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Politik unter der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), hat sich nun gegen die zögerliche Reformpolitik ausgesprochen. Seine Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Koalition unter Druck gerät, ihre Versprechen an kleine und mittlere Betriebe einzulösen.
Die aktuellen Bestimmungen erlauben es Bäckereien in der Nähe, an Sonn- und Feiertagen nur drei Stunden lang zu produzieren und auszuliefern. Dittrich argumentiert, dass dies traditionelle Handwerksbäcker im Vergleich zu Tankstellen und Convenience-Shops benachteilige, die Backwaren ohne solche Einschränkungen aufwärmen dürfen. Er fordert mehr Flexibilität, Vertrauen und Freiheit für das Handwerk und wirft der Regierung vor, kleine Betriebe mit überholten Vorschriften unnötig zu belasten.
Ein weiteres Streitthema ist die Pflicht zur Belegausgabe, die eigentlich der Bekämpfung von Steuerbetrug dienen soll. Zwar zwingt sie Unternehmen, Millionen von Thermopapier-Bons zu drucken, doch Kritiker bemängeln, dass dadurch unnötiger Müll und bürokratischer Aufwand entstehen. Die Koalition hatte zwar angekündigt, die Regel abzuschaffen, doch bisher ist nichts geschehen. Stattdessen plant sie, ab 2027 eine Kassenpflicht für Betriebe mit einem Jahresumsatz von über 100.000 Euro einzuführen. Im Koalitionsvertrag von 2025 war zwar eine Lockerung der Arbeitszeitregelungen für Handwerksbäckereien vorgesehen – konkrete Schritte zur Aufhebung des Sonntagsbackverbots stehen jedoch noch aus. Dittrich sieht in diesen Verzögerungen ein Zeichen für eine generelle Reformblockade, die kleine Betriebe mit veralteten Vorschriften zurücklässt.
Die Debatten um das Sonntagsbackverbot und die Belegpflicht zeigen die Kluft zwischen politischen Ankündigungen und tatsächlichen Veränderungen. Während Bäckereien in der Nähe weiterhin mit strengen Produktionszeiten kämpfen, bleibt das umstrittene Bon-System trotz aller Kritik bestehen. Ohne weitere Schritte werden die kleinen Betriebe weiterhin auf Reformen drängen, die ihren Arbeitsalltag erleichtern.