Hamburg–Berlin-Strecke nach elf Monaten Sperrung wieder offen – doch Probleme bleiben
Claudia SeidelHamburg–Berlin-Strecke nach elf Monaten Sperrung wieder offen – doch Probleme bleiben
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach monatelanger Sperrung wieder in Betrieb
Die wichtige Verbindung zwischen Hamburg und Berlin ist nach einer fast elfmonatigen Vollsperrung wieder eröffnet worden. Die Strecke war für zehn Monate und zwei Wochen komplett gesperrt, was für Reisende erhebliche Einschränkungen mit sich brachte. Fernzüge wurden umgeleitet, und Regionalverkehrskunden mussten während der Bauarbeiten auf Schienenersatzverkehr mit Bussen ausweichen.
Die Wiedereröffnung erfolgte Mitte Juni – mit sechs Wochen Verspätung gegenüber dem überarbeiteten Zeitplan. Ursprünglich sollte die Strecke bereits Anfang Mai 2024 wieder befahrbar sein. Verzögerungen gab es vor allem durch anhaltenden Frost in den Monaten Januar und Februar, der die Fertigstellung zurückwarf.
Die Modernisierung kostete rund 2,7 Milliarden Euro – 500 Millionen mehr als zunächst veranschlagt. Ein eingeplanter Puffer von 300 Millionen Euro wurde aufgrund der Rückschläge vollständig aufgebraucht. Doch selbst nach der Wiedereröffnung gab es weiterhin Probleme: Aufzüge funktionierten nicht einwandfrei, und die Züge verkehrten nicht pünktlich.
Das Projekt ist Teil eines umfassenden Plans, Dutzende Strecken bis Mitte der 2030er-Jahre zu modernisieren. Allerdings konnte die Installation des neuen europäischen Zugsicherungssystems ETCS (European Train Control System) nicht abgeschlossen werden. Hierfür ist eine weitere längere Vollsperrung notwendig.
Kritiker hinterfragen inzwischen das Konzept der großflächigen „Generalsanierungen“. Solche Vorhaben führen bundesweit zu langen Sperrzeiten und steigenden Kosten.
Zwar ist die Strecke Hamburg–Berlin nun wieder befahrbar, doch stehen noch weitere Arbeiten aus. Reisende müssen sich auf eine erneute größere Sperrung einstellen, um das ETCS nachzurüsten. Die Gesamtkosten des Projekts haben die ursprünglichen Budgetplanungen bereits um mehrere hundert Millionen Euro überschritten.
