Evangelische Kirche führt neues Anerkennungssystem für Missbrauchsopfer ein
Claudia SeidelRegionalkirchen übernehmen EKD-Anerkennungsrichtlinien - Evangelische Kirche führt neues Anerkennungssystem für Missbrauchsopfer ein
Neues einheitliches Anerkennungssystem für Betroffene sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie tritt in Kraft
Zum 1. Januar 2026 ist ein standardisiertes Verfahren zur Anerkennung von Überlebenden sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und ihrem Wohlfahrtsverband Diakonie in Kraft getreten. Das Programm gilt für alle drei landeskirchlichen Gliedkirchen in Nordrhein-Westfalen und soll Betroffenen vergangener Missbrauchsfälle klarere und gerechtere Unterstützung bieten.
Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erarbeiteten Richtlinien wurden zu Beginn des Jahres 2026 von den Landeskirchen und der Diakonie offiziell übernommen. Nach den neuen Regelungen haben Überlebende von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Anspruch auf eine pauschale Anerkennungssumme von 15.000 Euro. Diese Zahlung dient als symbolische Würdigung des erlittenen Leids, stellt jedoch keine vollständige Wiedergutmachung dar.
Das Verfahren setzt auf die Plausibilität der Schilderungen der Betroffenen und verzichtet bewusst auf den Nachweis juristischer Beweisführung. Diese Änderung soll Hürden abbauen, die bisher viele davon abhielten, eine Anerkennung zu erhalten. In Einzelfällen können zudem individuelle Zusatzleistungen gewährt werden, die sich an den persönlichen Umständen orientieren. Das System ermöglicht auch die Überprüfung bereits abgeschlossener Fälle – selbst solcher, die nach älteren Regelungen bearbeitet wurden. Betroffene, die bereits Anerkennungzahlungen erhielten, können nun eine Neubewertung beantragen, die zu einer angepassten Entschädigung führen kann.
Kirche und Diakonie bezeichnen das neue System als Schritt hin zu einer größeren Verantwortungsübernahme für historische Ungerechtigkeiten. Durch die Vereinheitlichung der Anerkennungspraxis soll sichergestellt werden, dass Überlebende eine konsistente und faire Würdigung des ihnen zugefügten Unrechts erfahren. Das Programm umfasst alle Fälle sexualisierter Gewalt, die im kirchlichen oder diakonischen Kontext gemeldet wurden.