02 February 2026, 20:20

Europas zersplitterte Verteidigung: Warum Reformen jetzt dringend nötig sind

Eine Karte von Deutschland und Österreich während des Zweiten Weltkriegs, die Besetzungszonen in verschiedenen Farben zeigt.

Europas zersplitterte Verteidigung: Warum Reformen jetzt dringend nötig sind

Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), hat Europa zu einer grundlegenden Reform seiner Verteidigungspolitik aufgefordert. In einem aktuellen Interview mit Business Insider kritisierte er die ineffizienten Militärausgaben Deutschlands und forderte eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung modernster Technologien.

Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der EU-Verteidigungsinitiativen wie die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (PESCO) und der Europäische Verteidigungsfonds zwar Fortschritte zeigen, aber auch mit gemischten Ergebnissen zu kämpfen haben – und das angesichts wachsender Sicherheitsbedrohungen.

Seit 2017 treibt die EU die militärische Zusammenarbeit voran, etwa durch PESCO und den mit 13 Milliarden Euro ausgestatteten Europäischen Verteidigungsfonds. Gemeinsame Projekte umfassen nun Ausbildung, Cyberverteidigung und Logistik, wobei Deutschland sechs zentrale Initiativen anführt. Dennoch gibt es Rückschläge: So spaltet sich das Kampfflugzeugprogramm FCAS ab Januar 2026 in separate deutsch-französische Entwicklungsstränge auf, auch wenn einige Elemente wie die Combat Cloud weiterhin gemeinsam genutzt werden.

Zu den jüngsten Vorhaben zählt das SAFE-Programm, das Mitgliedstaaten Verteidigungsdarlehen anbietet. Großbritannien erwägt unter Premierminister Keir Starmer, sich ab Februar 2026 an einem zweiten Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro zu beteiligen. Doch die Spannungen bleiben – insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich, etwa bei der nuklearen Teilhabe und unterschiedlichen Beschaffungsprioritäten.

Schularick betont, dass Europas Verteidigungsfähigkeiten nach wie vor zersplittert und unterfinanziert seien. Er plädiert für tiefgreifende Reformen, um die Handlungsfähigkeit des Kontinents zu stärken und die Abhängigkeit von externen Partnern zu verringern.

Der Aufruf zur Reform kommt nach Jahren ungleichmäßigen Fortschritts in der europäischen Sicherheitszusammenarbeit. Zwar haben gemeinsame Projekte an Fahrt gewonnen, doch Finanzierungslücken und politische Uneinigkeit bremsen eine vertiefte Integration weiterhin aus. Schularicks Vorschläge zielen darauf ab, diese Herausforderungen zu bewältigen – in einer Zeit, in der Europa unter steigendem Sicherheitsdruck steht.