Erlangen verbietet "sexistische Partyschlager" auf der Bergkirchweih – und löst eine Debatte aus
Greta WagnerErlangen verbietet "sexistische Partyschlager" auf der Bergkirchweih – und löst eine Debatte aus
Die Stadt Erlangen hat eine Liste klassischer Partyschlager vom diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest verbannt und sie als sexistisch eingestuft. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die angab, auf dem Festival 2022 von aggressiven Männern begrapscht worden zu sein. Bei der mit fast einer Million Besuchern erwarteten Veranstaltung in diesem Jahr setzen die Verantwortlichen auf ein Fest, das „besonders frei von Diskriminierung“ sein soll.
Auslöser für die Entscheidung war eine Prüfung durch Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen. Sie hatten nach der Beschwerde einer Frau an die Nürnberger Nachrichten über Belästigungen beim Festival 2022 sogenannte „problematische Partyschlager“ unter die Lupe genommen. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Lieder von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel stehen nun auf der schwarzen Liste.
Der Erlanger Stadtrat hatte bereits 2021 beschlossen, Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu verurteilen. Das diesjährige Verbot sorgt jedoch für Gegenwind: Wirte vergleichen es mit Zensurmaßnahmen der DDR. Ein lokaler Gastwirt bezeichnete die Liste als überzogen, andere zweifeln daran, ob die Einschränkungen das Verhalten der Besucher tatsächlich ändern werden.
Peter Wackel, dessen Lied Joana die Zeile Du geile Sau enthält, nannte die Richtlinien „absehbar“. Er behauptet, viele Künstler hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen solcher Vorgaben. Der inoffizielle neue Slogan des Festivals – Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar! – heizt die Debatte zusätzlich an.
Ziel der schwarzen Liste ist es, auf dem Bergkirchweih, einem der größten Volksfeste Deutschlands, ein sicheres Umfeld zu schaffen. Doch Skepsis bleibt, ob ein Liedverbot die tieferliegenden Probleme von Belästigung löst. Die Organisatoren betonen indes, die Maßnahmen seien notwendig – besonders angesichts der erwarteten Rekordbesucherzahlen.







