02 April 2026, 22:05

EMAF in Osnabrück: Politischer Streit um palästinensischen Kurzfilm entbrannt

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

EMAF in Osnabrück: Politischer Streit um palästinensischen Kurzfilm entbrannt

European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück gerät wegen Filmvorführung in politische Kritik

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Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit politischem Gegenwind konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Al-Sharif zu zeigen. Sowohl die Stadtspitze als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben ihre Unterstützung zurückgezogen – die staatliche Förderung des Festivals bleibt jedoch unverändert. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen nicht das Werk selbst, sondern frühere Social-Media-Beiträge der Künstlerin.

Die diesjährige Ausgabe des Festivals unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" widmet sich künstlerischer Freiheit und Verantwortung. Zu den ausgewählten Werken gehört Al-Sharifs "Morning Circle", ein Kurzfilm, der nun im Zentrum der Kontroverse steht. Kritiker, darunter der Osnabrücker Kulturdezernent, werfen dem Festival vor, mit der Aufnahme des Films antisemitische Tendenzen zu fördern – obwohl es keine direkten Vorwürfe gegen den Film selbst gibt.

Aus dem Umfeld des Ministerpräsidenten hieß es, man respektiere zwar die programmatischen Entscheidungen des Festivals, lehne Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab. Lies zog seine Schirmherrschaft zurück, bestätigte aber, dass die Landesförderung für das EMAF unverändert fortbestehe. Die Festivalverantwortlichen verteidigten ihre Auswahl und betonten, dass ihr Programm neben palästinensischen auch jüdische und israelische Stimmen umfasse.

Al-Sharif steht seit Längerem in der Kritik, unter anderem wegen Vorwürfen des Antisemitismus und angeblicher Verbindungen zur Boykottbewegung Boycott, Divestment, Sanctions (BDS). Die 2005 gegründete Initiative setzt sich für wirtschaftliche und kulturelle Boykotte Israels ein und vergleicht sich selbst mit der Anti-Apartheid-Bewegung. In Deutschland hat BDS wiederholt für juristische Auseinandersetzungen und Universitätsproteste gesorgt; Gruppen wie BDS Berlin oder die Studierendenvertretung der Hertie School unterstützen die Kampagne. Während Befürworter sie als gewaltfreies Widerstandsmittel sehen, stufen Gegner sie als antisemitisch ein.

Die Festivalleitung argumentiert, dass Al-Sharifs Social-Media-Äußerungen differenziert betrachtet werden müssten, da einige Beiträge mehrdeutig seien. Man bestehe darauf, den Fokus auf die künstlerische Ausdrucksform zu legen – nicht auf politische Zuordnungen.

Trotz der politischen Verwerfungen wird das EMAF wie geplant stattfinden, inklusive der Vorstellung von "Morning Circle". Die Finanzierung des Festivals bleibt gesichert, doch die Debatte zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und Antisemitismusvorwürfen auf. Die Veranstalter bekräftigten ihr Bekenntnis zu vielfältigen Perspektiven, doch die Kontroverse hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Programmgestaltung des Festivals gelenkt.

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