Betrugsprozess: Ex-Weinhändler soll Anleger um Millionen Euro prellen

Noah Werner
Noah Werner
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Eine alte Werbung für Bininger's Weinbitter, die einen Mann in Anzug und Krawatte zeigt, auf einem Stück Papier mit Text gedruckt.Noah Werner

Prozess gegen Sylter Wein-Händler - Weinbetrug? - Betrugsprozess: Ex-Weinhändler soll Anleger um Millionen Euro prellen

Ein ehemaliger Weinhändler aus Westerland auf Sylt muss sich wegen Betrugs und verzögerter Insolvenzanmeldung vor Gericht verantworten. Der Angeklagte soll Anleger durch fragwürdige Geschäfte um mehr als 2,6 Millionen Euro betrogen haben. Laut Staatsanwaltschaft nahm er auch nach der Zahlungsunfähigkeit seines Unternehmens Ende 2018 weiterhin Gelder entgegen.

Der Beschuldigte betrieb ein Weingeschäft, das ein Anlagemodell anbot: Kunden konnten im Voraus für Wein, Champagner oder Cognac zahlen und erhielten die Zusage, ihre Bestellung innerhalb einer festgelegten Frist stornieren und eine Rückerstattung erhalten zu können. In 89 Fällen soll er jedoch über 1,7 Millionen Euro kassiert haben, ohne die Ware zu liefern oder das Geld zurückzuerstatten. Stattdessen flossen die Beträge in die Begleichung älterer Schulden oder anderer Verpflichtungen.

Bereits im November 2018 war sein Unternehmen mit Verbindlichkeiten von rund 1,6 Millionen Euro und einem Fehlbetrag von 1,5 Millionen Euro insolvent. Dennoch meldete er die Pleite erst im Januar 2020 an – lange nach der gesetzlichen Frist Ende 2018. In dieser Zeit täuschte er Investoren weiterhin.

Im April 2019 gründete er einen Investmentfonds und warb mit einer Mindestrendite von zehn Prozent pro Jahr. Über dieses Modell sammelte er mehr als 356.000 Euro von mehreren Teilnehmern ein. Zwischen Dezember 2018 und Oktober 2019 täuschte er Anleger zudem über seine finanzielle Lage und verursachte so weitere Verluste.

Nach einem Brand, der seinen Lagerbestand zerstörte, erweiterte der Angeklagte sein Geschäft um selbst produzierten Gin. Mit diesem neuen Vorhaben nahm er in 14 Fällen zusätzliche 216.000 Euro ein. Zudem nahm er ein Darlehen über 125.000 Euro auf, um Champagner zu kaufen – das Geld gab er nie zurück. Gleichzeitig verkaufte er Flaschen im Wert von etwa 163.000 Euro, die nie ausgeliefert wurden.

Insgesamt wirft die Anklage dem Mann 124 Betrugsdelikte vor. Viele Kunden erhielten kaum oder gar kein Geld zurück, und die genaue Zahl der geschädigten Anleger ist weiterhin unklar.

Im Mittelpunkt des Prozesses stehen die verspätete Insolvenzanmeldung und die Verwendung von Anlegergeldern zur Deckung bestehender Schulden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden in Höhe von über 2,6 Millionen Euro aus. Nun muss das Gericht das Ausmaß seiner Haftung in jedem Einzelfall klären.

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