Bachmann-Preis 2024: Preisträger:innen polarisieren mit mutigen Texten und scharfer Kritik
Emilia KönigBachmann-Preis 2024: Preisträger:innen polarisieren mit mutigen Texten und scharfer Kritik
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur enden mit preisgekrönten Werken in mehreren Kategorien
Die diesjährigen Tage der deutschsprachigen Literatur gingen mit der Bekanntgabe der Preisträger in verschiedenen Kategorien zu Ende. Die Veranstaltung war geprägt von lebhaften Debatten, scharfer Kritik und einem starken Fokus auf wirtschaftliche Themen in der Literaturszene.
Besondere Aufmerksamkeit erregte in diesem Jahr die scharfe Prüfung durch die sieben Jurorinnen des Bachmann-Preises. Sie analysierten die Texte der Autor:innen öffentlich und lösten damit Diskussionen über die Härte des Formats aus – einige forderten einen unterstützenderen Umgang. Slata Roschals Beitrag stand im Mittelpunkt, da ihre Erzählung die prekären Verhältnisse nur am Rande streifte, stattdessen aber die literarische Establishment selbst kritisierte. Später verweigerte sie die Konfrontation mit der Jury und prangerte das System der schlecht bezahlten Fördergelder und schmalen Gewinnspannen für Schriftsteller:innen an.
Einige Texte stachen durch besondere Kreativität und emotionale Tiefe hervor. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, eine berührende, aber zurückhaltende Auseinandersetzung mit den Kämpfen eines schwulen Vaters. Kinga Tóth gewann den KELAG-Preis für ihre scharfsinnige, mehrsprachige Schilderung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen alltägliche Demütigungen. Schaette sicherte sich sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für Was wir tragen, einen kraftvollen Text über die anhaltende Gewalt, der dicke Menschen ausgesetzt sind.
Die Jury lobte experimentelle Schreibweisen und prägnante Formulierungen, während nur wenige Texte komplett abgelehnt wurden. Wiederkehrende Motive wie der Fleck – das „Mal“ oder der „Flecken“ – sorgten für Heiterkeit, verwiesen aber zugleich subtil auf prekäre Lebensumstände. Auch wirtschaftliche Themen spielten eine zentrale Rolle, etwa wenn Juror:innen finanzielle Ungleichheiten in ihren Kritiken ansprachen. Die Atmosphäre des Festivals wurde zudem von einem Verweis auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan geprägt, das an einen schwülen Sommertag erinnert, an dem Gott auf der Anklagebank sitzt.
Die Veranstaltung feierte mutiges Storytelling und vielfältige Stimmen. Preisträger:innen wie Keskinkılıç, Tóth und Schaette wurden für ihre fesselnden Erzählungen und gesellschaftskritischen Kommentare gewürdigt. Gleichzeitig legte das Festival Spannungen innerhalb der Literaturszene offen – insbesondere in den Bereichen Förderung und Gerechtigkeit.
