04 March 2026, 20:53

Apothekensterben in Städten: Immer längere Wege für Medikamente

Eine Apotheke an einer Straßenecke mit Glaswänden und -türen, Plakaten an den Wänden und einer Straße davor.

Apothekensterben in Städten: Immer längere Wege für Medikamente

Apothekenzugang in Deutschland: Leichte Verschlechterung in fünf Jahren

Der Zugang zu Apotheken in Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren leichte, aber spürbare Veränderungen erfahren. Zwar erreichen die meisten Menschen nach wie vor schnell eine Apotheke, doch eine wachsende Zahl muss längere Wege in Kauf nehmen. Eine aktuelle Studie des Iges-Instituts zeigt Verschiebungen bei der Erreichbarkeit – besonders in städtischen Gebieten, wo die Zahl der Schließungen zugenommen hat.

Zwischen 2020 und 2025 sank der Anteil der Deutschen, die eine Apotheke innerhalb von fünf Gehminuten erreichen können, um 0,7 Prozentpunkte auf 5,3 %. Rund eine halbe Million Menschen haben keine Apotheke mehr in fünf Minuten Fußweg Entfernung, und 1,7 Millionen können keine innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreichen. Dennoch blieb die Gesamtversorgung weitgehend stabil: 99,9 % der Bevölkerung können eine Apotheke innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto erreichen – ein leichter Rückgang um 0,6 Prozentpunkte seit 2020.

Die Zahl derer, die selbst mit dem Auto keine Apotheke innerhalb von 15 Minuten erreichen, stieg um 10.000 auf etwa 73.000 Personen (0,1 % der Bevölkerung). Besonders betroffen sind Großstädte, in denen seit 2020 rund 150 Apotheken geschlossen wurden. Allein Berlin verlor etwa 45, Hamburg rund 30, und im Ruhrgebiet – vor allem in Dortmund und Essen – gab es etwa 40 Schließungen.

Vor einer Anhörung zum Apothekenversorgungsstärkungsgesetz haben gesetzliche Krankenkassen wie die Barmer und der GKV-Spitzenverband Fachgutachten vorgelegt. Die Apothekerin und Gesundheitspolitikerin Iris an der Heiden wird als Sachverständige in der Sitzung aussagen. Der GKV-Spitzenverband setzt sich für Reformen bei der Apothekenvergütung ein: Er schlägt niedrigere Festbeträge für Apotheken mit hohem Umsatz und höhere Sätze für solche mit weniger Kunden vor.

Trotz der Entwicklungen liegt fast zwei Drittel der Arztpraxen noch immer eine Apotheke innerhalb von zehn Gehminuten. Über 90 % können eine innerhalb von fünf Autominuten erreichen. Die Krankenkassen argumentieren, dass der Rückgang der Apotheken vor Ort die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung nicht spürbar beeinträchtigt habe.

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Die Studie und die anstehende Parlamentsanhörung werden die Debatten über die Finanzierung und Verteilung von Apotheken prägen. Zwar haben die meisten Menschen in Deutschland weiterhin schnellen Zugang zu Medikamenten, doch gezielte Reformen könnten nötig sein, um Versorgungslücken in unterversorgten Regionen zu schließen. Im Mittelpunkt steht die Balance zwischen Kosteneffizienz und flächendeckender Verfügbarkeit.