10 February 2026, 16:10

Antisemitismus-Vorwürfe: Wie Stefan Raab und RTL Gil Ofarim zum Opfer von Klischees machten

Ein Plakat für eine jüdische Ausstellung in Paris, das eine Person vor einem Tisch mit einem Buch und einer Menora zeigt, sowie Ausstellungdetails.

Antisemitismus-Vorwürfe: Wie Stefan Raab und RTL Gil Ofarim zum Opfer von Klischees machten

Eine aktuelle Folge der Stefan-Raab-Show hat für Aufsehen gesorgt, nachdem dort antisemitische Klischees über den Sänger Gil Ofarim verbreitet wurden. Der Beitrag enthielt beleidigende Witze über seine jüdische Herkunft und wurde kurz darauf von der Streaming-Plattform von RTL entfernt. Der Vorfall hat die Debatte über Antisemitismus in deutschen Medien und den Umgang mit jüdischen Persönlichkeiten neu entfacht.

Ofarims ohnehin angeschlagenes öffentliches Image verschlechterte sich weiter, als er Anfang 2026 in Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! auftrat und dort die Beweislage in seinem eigenen Prozess von 2023 infrage stellte, in dem er wegen falscher Anschuldigung gegen einen Leipziger Hotelmitarbeiter verurteilt worden war. Die Staatsanwaltschaft wies seine jüngsten Behauptungen zurück und erklärte, es handele sich um bereits gerichtlich verworfene Argumente.

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Der Skandal nahm seinen Lauf, als RTL 2024 eine Sonderfolge der Stefan-Raab-Show ausstrahlte, die dem Sender aus der Quotenkrise helfen sollte. In einer Satire-Einlage wurde Gil Ofarim verspotten, indem ihm ein "Betrüger-Gen" von "Onkel Samuel" zugeschrieben und scherzhaft behauptet wurde, er habe vor allem "in der jüdischen Community" Erfolge gefeiert. Nach massiver Kritik zog RTL die Folge von seiner Streaming-Plattform zurück.

Der Vorfall reiht sich ein in Ofarims Verurteilung wegen übler Nachrede und falscher Anschuldigung im Jahr 2023. Im Oktober 2021 hatte er fälschlicherweise behauptet, ein Mitarbeiter eines Leipziger Hotels habe antisemitische Äußerungen getätigt – eine Behauptung, die ihn schließlich zu einer Schadensersatzzahlung von 20.000 Euro verpflichtete. Sein Geständnis im November 2023 führte zu einem deutlichen Stimmungswandel in der Öffentlichkeit. Dennoch löste RTL mit der Ankündigung, Ofarim 2026 in Dschungelcamp auftreten zu lassen – noch vor Ausstrahlung der Show –, erneute Empörung in den sozialen Medien aus.

Während seines Dschungelcamp-Auftritts griff Ofarim den Fall erneut auf und stellte die Beweislage des Prozesses infrage. Die Staatsanwaltschaft lehnte eine Wiederaufnahme des Verfahrens ab und bezeichnete seine Aussagen als Wiederholung bereits abgelehnter Argumente. Der Skandal befeuerte zudem antisemitische Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken, wobei Kritiker deutschen Medien vorwerfen, jüdische Persönlichkeiten wie Ofarim als exotische Kuriositäten darzustellen.

Trotz der Folgen des Vorfalls dürften RTL und Stefan Raab kaum langfristige Reputationsschäden erleiden. Der Sender hat bereits ähnliche Kontroversen überstanden, und Raabs Rückkehr ins lineare Fernsehen 2024 war Teil einer gezielten Strategie zur Steigerung der Einschaltquoten.

Die Löschung der Folge von RTLs Plattform erfolgte nach öffentlichem Druck, doch der Schaden für Ofarims Ruf bleibt bestehen. Seine wiederholten Versuche, das Urteil von 2023 anzufechten, scheiterten – die Behörden halten an der ursprünglichen Entscheidung fest. Gleichzeitig wirft der Skandal ein Schlaglicht auf die anhaltenden Probleme in der Darstellung jüdischer Personen durch deutsche Medien, die oft auf Klischees reduziert oder zu reißerischen Storys stilisiert werden.