"36 Boys": Wie eine Berliner Bande in den 1980ern durch Gewalt zur Legende wurde
Noah Werner"36 Boys": Wie eine Berliner Bande in den 1980ern durch Gewalt zur Legende wurde
Ein neues Buch enthüllt die brutale Realität der berüchtigten „36 Boys“ aus Berlin der 1980er-Jahre
In seinem Werk 36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde schildert der Journalist Paul Christoph Gäbler die schonungslose Geschichte der Gang – basierend auf persönlichen Berichten ehemaliger Mitglieder wie Tim Raue, der sich als Teenager anschloss. Die Gruppe, bekannt für gewalttätige Auseinandersetzungen und grausame Aufnahmerituale, kämpfte in einem rauen Viertel um Anerkennung.
Mit nur 14 Jahren stieß Tim Raue zu den „36 Boys“ in Berlin-Kreuzberg, einer Bande, die zwischen 1982 und 1984 aktiv war. Loyalität wurde durch extreme Proben gefordert: Neue Mitglieder mussten sich drei Minuten lang gegen zwei bestehende Gang-Angehörige behaupten. Raue hielt nicht die volle Zeit durch, weigerte sich aber zu fliehen – und sicherte sich so trotz einer Gesichtsverletzung, die er bis heute trägt, seinen Platz in der Gruppe.
Schlägereien mit verfeindeten Gangs waren an der Tagesordnung, oft waren die „36 Boys“ in der Unterzahl. Gegner griffen mit Waffen wie Baseballschlägern an, während Raue einräumt, einmal fliehen gewollt zu haben – sich dann aber zwang, standzuhalten. Im Mittelpunkt der Gang-Kultur stand die Suche nach Akzeptanz, wobei Gewalt als Beweis der Zugehörigkeit galt.
Heute, als Erwachsener, lehnt Raue Gewalt ab, doch er erkennt die Denkweise an, die ihn damals in der Bande hielt. Seine Geschichte und die anderer ehemaliger Mitglieder bilden den Kern von Gäblers Buch – ein ungeschönter Blick auf das Straßenleben in Kreuzberg der 1980er.
Das Werk wirft ein Licht auf ein kurzlebiges, aber berüchtigtes Kapitel der Berliner Geschichte. Raues Narben – sowohl die körperlichen als auch die seelischen – sind stumme Zeugen der harten Realität der Gang. 36 Boys zeigt, wie eine Gruppe Jugendlicher in einer geteilten Stadt durch Konfrontation nach Identität suchte.






