Wie Sachsen-Anhalts Nachbarschaftshelfer Einsamkeit und Pflegeengpässe bekämpfen
Greta WagnerNachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie Sachsen-Anhalts Nachbarschaftshelfer Einsamkeit und Pflegeengpässe bekämpfen
Ein wachsendes Netzwerk von Ehrenamtlichen in Sachsen-Anhalt hilft älteren und pflegebedürftigen Bürgern, verbunden zu bleiben. Über 4.000 Menschen haben sich als Nachbarschaftshelfer gemeldet und bieten praktische Unterstützung sowie Gesellschaft. Die 2023 gestartete Initiative verzeichnet einen starken Anstieg der Nachfrage – von 299 Nutzern auf 1.814 innerhalb nur eines Jahres.
Die Idee geht auf Erinnerungen an eng zusammenlebende Gemeinschaften in der DDR zurück. Kerstin Kränzel, eine 60-jährige Freiwillige, erinnert sich, wie Nachbarn einst wie Familie füreinander da waren. Heute geht sie wöchentlich mit einer älteren Dame einkaufen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt ist. Viele Helfer wie Kränzel wollen genau dieses Vertrauensgefühl wieder aufbauen.
Die meisten Nachbarschaftshelfer sind Frauen, 70 Prozent von ihnen sind Rentnerinnen oder stehen kurz vor dem Ruhestand. Ihre Aufgaben gehen über Besorgungen hinaus: Sie führen Gespräche, begleiten Menschen zu Terminen und lindern Einsamkeit. Doch Scham hält viele Betroffene davon ab, Hilfe anzunehmen. 2024 hatten in Sachsen-Anhalt über 103.000 Versicherte Anspruch auf ein monatliches Entlastungsgeld von 131 Euro – doch weniger als 57 Prozent machten davon Gebrauch.
Das Modell hat sich über Sachsen-Anhalt hinaus ausgebreitet. Sachsen und Nordrhein-Westfalen führten ähnliche Programme ein, auch wenn bundesweite Zahlen unklar bleiben. Die Ehrenamtlichen erhalten eine bescheidene Aufwandsentschädigung über die Pflegeversicherung, doch viele Berechtigte nutzen die Leistung nicht.
Die Initiative wächst rasant – Tausende springen dort ein, wo formelle Pflege an Grenzen stößt. Durch die Bekämpfung von Einsamkeit und die Unterstützung im Alltag schließen Nachbarschaftshelfer eine Lücke im Sozialsystem. Doch Hindernisse wie Scham und mangelnde Aufklärung sorgen dafür, dass viele, die Hilfe bräuchten, weiterhin ohne Unterstützung bleiben.