16 March 2026, 16:11

Wie Joseph Beuys 1988 doch noch die DDR eroberte

Ein Plakat für die Karlsbader Posthof-Ausstellung der Beaux Arts, das eine Person in einem weißen Kleid mit einem blauen und weißen gemusterten Schultertuch zeigt, die vor einem hellgelben Hintergrund steht, mit fetter schwarzer Schrift und einem weißen Rand.

Wie Joseph Beuys 1988 doch noch die DDR eroberte

1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys aus. Die Schau lief von Mitte Januar bis Mitte Mai und markierte eine seltene kulturelle Zäsur in der Geschichte der DDR. Jahrelang war der Künstler von der sozialistischen Politik als "unerwünschte Person" eingestuft worden, doch sein Einfluss ließ sich auf Dauer nicht ignorieren.

Die unter dem Titel "Beuys vor Beuys" präsentierte Ausstellung umfasste 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten – sämtlich zwischen 1946 und 1966 entstanden und damit ein Einblick in die frühen Schaffensjahre des Künstlers. Zunächst im Berliner Marstall gezeigt, zog die Schau später an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst um.

Die Verhandlungen zur Ausrichtung der Ausstellung in der DDR kamen zustande, nachdem das anhaltende Interesse an Beuys' Vermächtnis nicht mehr zu übersehen war. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, räumte ein, dass selbst nach dem Tod des Künstlers dessen Bedeutung zu groß sei, um sie länger zu vernachlässigen. Die Entscheidung, die Ausstellung zu zeigen, signalisierte einen vorsichtigen, aber bemerkenswerten Bruch mit der jahrzehntelangen Ablehnung seines Werks durch die DDR.

Die Ausstellung von 1988 war ein kurzer, aber historischer Moment in der ostdeutschen Kulturgeschichte. Sie ermöglichte es dem Publikum, Beuys' frühe Arbeiten erstmals in der DDR zu sehen. Trotz der früheren Feindseligkeit spiegelte das Ereignis eine widerwillige Anerkennung seiner anhaltenden künstlerischen Relevanz wider.

Quelle