22 March 2026, 08:07

Vom Tabu zum Trend: Wie Sexpuppen die Gesellschaft erobern

Ein Collage von Statuen von Frauen mit menschlichen Gesichtern, jede begleitet von Text, von einer Buchseite.

Vom Tabu zum Trend: Wie Sexpuppen die Gesellschaft erobern

"taz Queer Talk": Wie humanoide Puppen und Sexrobotern der Durchbruch in die Gesellschaft gelingt

Ein kürzlich veranstalteter taz Queer Talk widmete sich der sich wandelnden Rolle humanoider Spielzeuge und Sexpuppen in der Gesellschaft. Moderiert wurde die Diskussion von taz-Redakteur Jan Feddersen, zu Gast war die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener, emeritierte Professorin der Universität Siegen. Ihre Forschung zeigt, wie sich diese Objekte im Laufe des letzten Jahrhunderts von tabuisierten Kuriositäten zu etablierten Konsumgütern entwickelt haben.

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Regener forscht schwerpunktmäßig zu visueller Kultur, mit besonderem Fokus auf marginalisierte Gruppen und kontroverse Themen. In ihren jüngsten Arbeiten beschäftigt sie sich mit True Crime, der Darstellung von Frauen und der Evolution von Sexpuppen. Im Gespräch betonte sie, wie sich diese Puppen seit den 1980er- und 1990er-Jahren von Nischenprodukten zu hochrealistischen Erzeugnissen gewandelt haben.

In Japan trug die kulturelle Akzeptanz durch den Einfluss von Manga und Anime dazu bei, ihre Präsenz zu normalisieren. In den USA entbrannten nach 2010 hitzige juristische und ethische Debatten, während Europa differenziert reagiert: Länder wie Deutschland und die Niederlande behandeln sie als selbstverständlich, andere erlegen ihnen Restriktionen auf. Zwar hält sich das Stigma hartnäckig, doch die Diskussionen verlagern sich zunehmend von pauschaler Ablehnung hin zu klinischen und psychologischen Perspektiven.

Veranstaltet wurde der Abend in Kooperation mit Queer Nations e.V., einer Berliner Initiative. Regener analysierte zudem, wie mediale Darstellungen das öffentliche Bild von Sexpuppen prägen – und damit auch gesellschaftliche Einstellungen zu Intimität, Technologie und Ethik widerspiegeln.

Die Diskussion machte deutlich, dass Sexpuppen längst keine versteckten Kuriositäten mehr sind, sondern Gegenstand ernsthafter Debatten. Regeners Forschung offenbart ein komplexes Spannungsfeld, in dem sich Technologie, Kultur und Moral überschneiden. Während die Akzeptanz in manchen Regionen wächst, sorgen ethische und rechtliche Fragen weltweit weiterhin für Kontroversen.

Quelle