17 January 2026, 15:04

Streit um Bremer Ausbildungsfonds: Soll Niedersachsen das Modell übernehmen?

Eine alte Postkarte, die einen belebten Dresdner Bahnhof mit Fahrzeugen, Menschen, Bäumen, Gebäuden und einem bewölkten Himmel zeigt, mit der Aufschrift «Dresden Hauptbahnhof» oben.

DGB will auch in Niedersachsen das Bremer Ausbildungsfonds einführen - Streit um Bremer Ausbildungsfonds: Soll Niedersachsen das Modell übernehmen?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) setzt sich dafür ein, dass Niedersachsen einen Ausbildungsfonds nach dem Vorbild von Werder Bremen einführt. Der Vorschlag hat eine Debatte ausgelöst: Während die Gewerkschaften das Modell unterstützen, lehnen Unternehmen es vehement ab. Rechtliche Schritte sind bereits eingeleitet, da die Wirtschaft den Fonds als unnötige Kostenbelastung und bürokratischen Aufwand kritisiert.

Seit Januar 2025 sind in Bremen alle größeren Unternehmen verpflichtet, in einen solchen Ausbildungsfonds einzuzahlen. Das System erstattet Betrieben bis zu 2.250 Euro pro Auszubildendem und Jahr und übernimmt zudem die Kosten für Weiterbildungen von Ausbildern sowie Sprachkurse für Beschäftigte.

Ernesto Harder, seit 2013 DGB-Landesvorsitzender für Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, befürwortet die Übernahme des Modells in Niedersachsen. Er ist überzeugt, dass der Fonds den Fachkräftemangel durch strukturiertere Ausbildungsprogramme lindern könnte. Die Wirtschaft sieht das jedoch kritisch: Mehrere Industrie- und Handelskammern argumentieren, der Fonds behebe weder den Arbeitskräftemangel noch schaffe er Anreize – stattdessen belaste er die Unternehmen mit zusätzlichen finanziellen und administrativen Pflichten. Zahlreiche Firmen haben bereits Klage gegen die Abgabe eingereicht und stellen deren Sinnhaftigkeit und Fairness infrage.

Der Streit um den Ausbildungsfonds offenbart die tiefe Spaltung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Sollte Niedersachsen dem Bremer Vorbild folgen, könnten Unternehmen ab dem nächsten Jahr zu Zwangsabgaben verpflichtet werden. Die Entscheidung der laufenden Gerichtsverfahren wird zeigen, ob sich das Modell in anderen Bundesländern durchsetzt.