12 March 2026, 04:11

Skandal im Erzbistum Paderborn: 81 Jahre Vertuschung von Missbrauch durch Kardinäle

Ein Buch mit Bildern und Texten, die die Geschichte der katholischen Kirche dokumentieren, einschließlich Fotos ihrer Räume, Korridore und konservierter Artefakte.

Studie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Skandal im Erzbistum Paderborn: 81 Jahre Vertuschung von Missbrauch durch Kardinäle

Eine neue unabhängige Studie hat schwerwiegende Versäumnisse im Erzbistum Paderborn aufgedeckt. Dem Bericht zufolge haben zwei Kardinäle über einen Zeitraum von 81 Jahren wiederholt Täter geschützt und Opfer ignoriert. Die Erkenntnisse konzentrieren sich auf die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt zwischen 1941 und 2002.

Die Untersuchung, deren Veröffentlichung ursprünglich für einen früheren Zeitpunkt vorgesehen war, wurde auf 2026 verschoben. Als Gründe für die Verzögerung nannten die Forscher die COVID-19-Pandemie sowie ein größeres als erwartetetes Aktenvolumen. In der ersten Phase der Studie wurden die Amtszeiten von Jaeger und Degenhardt analysiert – dabei kamen systematische Versagen bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen ans Licht.

Eine zweite Phase wird nun den Zeitraum von 2002 bis 2022 unter Erzbischof Hans-Josef Becker untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen ein Muster: Täter wurden gedeckt, während den Geschädigten kaum Unterstützung zuteilwurde.

Als Reaktion hat die katholische Kirche in Deutschland strukturelle Reformen eingeleitet. Dazu gehört der unabhängige Expertenrat für Prävention von sexualisierter Gewalt, der im Februar 2026 seine Arbeit online aufnahm. Dieses Gremium überwacht Präventions- und Interventionsmaßnahmen in allen 27 Diözesen, berät die Deutsche Bischofskonferenz und bindet Betroffene aktiv ein.

Auch im pastoralen Bereich gab es Nachbesserungen. Das Erzbistum Paderborn betreibt die Dunkelfeldinitiative, ein Programm für nicht angezeigte Missbrauchsfälle. Weitere Schritte umfassen unabhängige Fachgutachten zu Einzelfällen, jährliche Gebetstage für Missbrauchsopfer seit 2016 sowie die Bevorzugung staatlicher Ermittlungen gegenüber internen kirchlichen Untersuchungen. Diözesen wie Paderborn und Köln setzen mittlerweile einheitliche Interventionsleitlinien durch und unterstützen laufende wissenschaftliche Aufarbeitungen vergangener Missbrauchsfälle.

Die Veröffentlichung der Studie markiert einen Wendepunkt im Umgang der deutschen katholischen Kirche mit historischem Missbrauch. Strukturreformen und Opferschutzinitiativen sind nun in mehreren Bistümern verankert. Ziel dieser Maßnahmen ist es, mehr Verantwortung zu schaffen und künftige Versäumnisse im Schutz von Betroffenen zu verhindern.

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