04 February 2026, 04:43

Lichtermeer und Rockballaden: Wie ein Gottesdienst Tiefenort verzauberte

Ein Altar in einer Kirche mit Kerzen, Skulpturen, einem Mikrofon, einem Stuhl, einem Tisch mit verschiedenen Gegenständen darauf und Buntglasfenstern im Hintergrund, alles von Kerzenlicht beleuchtet.

Lichtermeer und Rockballaden: Wie ein Gottesdienst Tiefenort verzauberte

Beleuchtung für alle: Eine beeindruckende Kirche in Tiefenort

Die Peterskirche in Tiefenort war am 1. Februar bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Dorfbewohner trotz winterlicher Kälte zum Beleuchtung für alle-Gottesdienst strömten. Die Veranstaltung stieg nicht nur wegen ihres Termins mitten in einem vollen lokalen Veranstaltungskalender aus der Masse heraus, sondern vor allem durch ihre ungewöhnliche Mischung aus Musik, Besinnung und Gemeinschaftsgeist. Statt traditioneller Kirchenlieder entfaltete sich der Abend wie ein intimes Konzert – und zog weit mehr Besucher an als die übliche Kirchgemeinde.

Der Gottesdienst begann mit einer Zeitreise, die dramatische Szenen von Johannes' Verbannung mit den dunklen Stollen des Merkerser Salzkaliwerks verband. Die Besucher tauchten in diese Erzählungen ein, während die Band The Quiet Side eine Mischung aus düsteren Gesängen, Beatles-Klassikern wie Here Comes the Sun und ostdeutschen Rockballaden wie Die Sucher darbot. Ihr handgemachter Klang – Gitarre, Cajón und Mundharmonika – füllte die Kirche, begleitet von Pastor Thomas Volkmann am Keyboard.

Hunderte Lichter tauchten den Raum in warmes, großes Licht, ersetzten die sonst übliche Orgel und schufen eine fast clubartige Atmosphäre. Die Predigt kreiste um Jesu Vision als eine Kraft, die Ängste vertreibt, und griff dabei den Leitspruch "Kein Licht, kein Wandel" auf, um Verwandlung zu symbolisieren. Ein Kerzenritual bildete den emotionalen Höhepunkt: Jeder entzündete eine Flamme in einem großen, schmiedeeisernen Fisch – als Zeichen persönlicher Hoffnungen oder unausgesprochener Gebete.

Nach dem Gottesdienst blieben viele noch vor der Kirche stehen, plauderten unter der offenen Tür, die zum Verweilen einlud. Überraschend viele junge Besucher waren gekommen – mehr, als die Gemeinde erwartet hatte. Persönliche Segensworte wurden geteilt und schufen seltene Momente der Verbundenheit und Ermutigung.

Offizielle Zahlen zur genauen Besucherzahl gibt es nicht, da lokale Medien wie die Thüringer Allgemeine weder über die Teilnahme noch die Gründe für den großen Zuspruch berichteten.

Der Beleuchtung für alle-Gottesdienst hinterließ in Tiefenort einen bleibenden Eindruck, indem er Musik, Symbolik und Gemeinschaft so verband, dass er Alt und Neu gleichermaßen anspricht. Die Mischung aus Besinnung und Feier zeigte, wie ein Gottesdienst zeitlos und doch frisch wirken kann – ganz ohne sich auf bloße Tradition zu verlassen. Für viele wurden das Kerzenlicht und die geteilten Augenblicke zu einem kleinen, aber bedeutungsvollen Höhepunkt im winterlichen Dorfkalender.