14 March 2026, 10:06

Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein satirischer Protest gegen Abmahnwelle

Eine alte Visitenkarte für Jackson & Damper Senfhersteller, gelegen an Nr. 2, Primrose Street, Bishopgate, London.

Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein satirischer Protest gegen Abmahnwelle

Der Komiker Joe Lycett hat aus Protest gegen die aggressive juristische Vorgehensweise der Modemarke seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen. Der Schritt folgt Berichten, wonach der Luxusdesigner kleinen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen, die das Wort "BOSS" nutzen, Abmahnungen zukommen ließ. Lycett plant, in seiner Verbrauchersendung Got Your Back ein neues Produkt unter seinem aktualisierten Namen auf den Markt zu bringen.

Der Streit begann, als das globale Modeunternehmen Hugo Boss mehrere Kleinbetriebe wegen Markenrechtsverletzungen ins Visier nahm. Die Brauerei Boss Brewing aus Swansea gab rund 12.000 Euro für Anwaltskosten aus, nachdem sie eine Abmahnung des Konzerns erhalten hatte. Auch die Initiative DarkGirlBoss geriet unter juristischen Druck, als sie versuchte, ihren eigenen Namen als Marke eintragen zu lassen.

Hugo Boss, 1924 gegründet, erwirtschaftet heute über 2,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und beschäftigt weltweit mehr als 14.000 Mitarbeiter. Doch die Unternehmensgeschichte weist ein dunkles Kapitel auf: Während des Zweiten Weltkriegs fertigte das Unternehmen Uniformen für die Nazis – unter Zwangsarbeit. 2011 entschuldigte sich der Konzern öffentlich für das Leid, das in seinen Kriegsfabriken verursacht wurde. Eine unabhängige Studie bestätigte, dass zwischen 1940 und 1945 über 140 polnische Zivilisten und 40 französische Kriegsgefangene dort zur Arbeit gezwungen wurden. Seitdem unterhält Hugo Boss am Hauptsitz in Metzingen eine Dauerausstellung zu diesem Thema und unterstützt die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" für NS-Zwangsarbeiter.

Lycett betonte, dass seine Namensänderung rein satirisch gemeint sei. Im Gegensatz zur Modemarke, so der Komiker, habe "dieser Hugo Boss keine Uniformen für die Nazis produziert".

Der Fall wirft erneut die Frage nach der Balance zwischen markenrechtlicher Durchsetzung durch Großkonzerne und den Folgen für kleinere Organisationen auf. Während Hugo Boss weiterhin für seine harte juristische Linie kritisiert wird, lenkt Lycetts Protest die Aufmerksamkeit auf das Problem. Eine öffentliche Stellungnahme des Modeunternehmens zu der Aktion steht bisher aus – die Auseinandersetzung bleibt vorerst ungelöst.

Quelle