Hausärzte warnen vor skrupellosen Online-Krankmeldungen und fordern strengere Regeln
Emilia KönigKrankschreibung: Hausärzte kritisieren Online-Krankschreibungen gegen Geld scharf - Hausärzte warnen vor skrupellosen Online-Krankmeldungen und fordern strengere Regeln
Hausärzte in Deutschland äußern zunehmend Bedenken wegen des Aufkommens kostenpflichtiger Online-Krankmeldungen. Kritiker werfen kommerziellen Anbietern vor, rechtliche Grauzonen auszunutzen, indem sie gegen Gebühr schnelle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Mittlerweile hat die Debatte auch Politiker erreicht, die strengere Kontrollen für diese Dienstleistungen fordern.
Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands, verurteilte die aggressive Vermarktung von Online-Krankmeldungen. Die Plattformen verlangen derzeit zwischen 20 und 30 Euro für eine Bescheinigung nach einem kurzen Videogespräch – oft mit Patienten, die sie zuvor noch nie behandelt haben. Beier betont, dass diese Anbieter Schlupflöcher missbrauchen und denselben Einschränkungen unterliegen sollten wie telefonische Beratungen für unbekannte Patienten.
Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach unterstützt schärfere Regulierungen. Seiner Meinung nach sollten Online-Krankmeldungen nur vom behandelnden Hausarzt oder einem Facharzt ausgestellt werden. Lauterbach warnte zudem vor kommerziellen Anbietern, die Bescheinigungen ohne vorherige Arzt-Patienten-Beziehung oder etablierte medizinische Praxis ausgeben. Die Verantwortung für die Durchsetzung strengerer Regeln liegt sowohl beim Bund als auch bei den Ländern. Bei widersprüchlichen Vorschriften hat das neuere Gesetz Vorrang. Beier forderte die Behörden auf, gewerbliche Plattformen zu schließen, die Krankmeldungen verkaufen, und bezeichnete deren Vorgehen als skrupellos und schädlich für eine ordnungsgemäße medizinische Versorgung.
Die Reformbestrebungen spiegeln die wachsende Unruhe über die Kommerzialisierung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wider. Sollten neue Beschränkungen eingeführt werden, müssten Online-Anbieter vor der Ausstellung von Krankmeldungen strengere Richtlinien einhalten. Das Ergebnis könnte die Arbeitsweise digitaler Gesundheitsdienste in Deutschland grundlegend verändern.