Guido Cantz staunt: Trump-Nobelpreis-Witz wird plötzlich bitterer Ernst
Emilia KönigGuido Cantz: Trump lässt Satiriker alt aussehen - Guido Cantz staunt: Trump-Nobelpreis-Witz wird plötzlich bitterer Ernst
Ein Witz des Komikers Guido Cantz über Donald Trumps Gewinn des Friedensnobelpreises hat plötzlich seine Komik verloren. Was einst absurd klang, ist 2025 Realität geworden – nachdem der ehemalige US-Präsident Donald Trump tatsächlich für den Preis nominiert wurde. Der Wandel von Satire zur Tatsache lässt Cantz über sein eigenes Material nur noch den Kopf schütteln.
Ursprünglich hatte Cantz eine Nummer entwickelt, in der Trump sich den Friedensnobelpreis mit rüpelhafter Dreistigkeit einfach aneignet. Doch Anfang 2025 nominierte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Ex-Präsidenten offiziell für die Auszeichnung. Zwar ging der Preis schließlich an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, doch die Nominierung verlieh Trumps früheren Ansprüchen plötzlich Gewicht.
Trump hatte jahrelang behauptet, den Preis verdient zu haben – sogar mit einem Brief an Norwegens Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre, in dem er nachfragte, warum man ihn überging. Immer wieder prahlte er damit, "acht Kriege und mehr" beendet zu haben, was seiner Meinung nach allein schon die Auszeichnung rechtfertigte. Für Cantz ist es zur anstrengenden Aufgabe geworden, mit Trumps unermüdlichem Selbstmarketing und seinen ständigen Provokationen Schritt zu halten – Satire fühlt sich plötzlich wie harte Arbeit an.
Der Komiker empfindet Trump-Witze mittlerweile weniger als unterhaltsam, sondern vor allem als ermüdend. Was einst pointiert und aktuell wirkte, verflüchtigt sich heute innerhalb von Tagen – zu schnell, als dass der Humor Bestand hätte. Die Grenze zwischen Absurdität und Realität ist verschwommen, und der Pointen verlieren ihre Wirkung.
Die Nobelpreis-Nominierung hat Cantz’ Satire zu einem überholten Kalauer werden lassen. Trumps unermüdliche Selbstinszenierung und die Nominierung selbst machen den Witz überflüssig. Für Komiker bleibt kaum Zeit, ihr Material frisch zu halten – zu rasant ist das Tempo, in dem der ehemalige Präsident die Realität überholt.