Grüne und CDU in Baden-Württemberg nach Social-Media-Eklat am Scheideweg
Greta WagnerSkandalvorwurf vor Wahl - Fischer bittet Hagel um Vergebung - Grüne und CDU in Baden-Württemberg nach Social-Media-Eklat am Scheideweg
In Baden-Württemberg sind die Spannungen zwischen den Grünen und der CDU eskaliert, nachdem die grüne Landtagsabgeordnete Simone Fischer einen umstrittenen Social-Media-Beitrag veröffentlicht hatte. Auslöser war ein altes Video des CDU-Landesvorsitzenden Manuel Hagel, das Vorwürfe einer "Schmutzkampagne" nur wenige Wochen nach der knapp entschiedenen Landtagswahl aufkommen ließ. Da beide Parteien nun über gleich viele Sitze im Landtag verfügen, stehen die Koalitionsverhandlungen auf des Messers Schneide.
Der Streit begann, als die grüne Abgeordnete Zoe Mayer ein acht Jahre altes Video teilte, in dem Hagel bewundernde Bemerkungen über eine minderjährige Schülerin macht. Zwei Wochen vor der Wahl am 8. März tauchte der Clip wieder auf und löste Kritik der CDU aus. Fischer veröffentlichte später einen Beitrag mit Hagels Foto, überschrieben mit "Offizielle Warnung" und dem Text "Versteckt eure Kinder".
Fischer schwieg zunächst zu den Vorwürfen, löschte den Beitrag jedoch schließlich. Später entschuldigte sie sich persönlich bei Hagel und antwortete auf Fragen des Regionalsenders Südwestrundfunk (SWR). Ihre Entschuldigung wird nun als Versuch gewertet, vor den Koalitionsgesprächen Vertrauen zurückzugewinnen.
Die CDU warf den Grünen vor, mit dem Video und dem Beitrag eine "Schmutzkampagne" zu führen. Trotz der Kontroverse sicherten sich die Grünen bei der Wahl einen knappen Sieg mit 30,2 Prozent der Stimmen – knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Beide Parteien stellen nun je 56 Abgeordnete, was zu einem seltenen Patt im Landtag führt.
Die Grünen haben die CDU zu offiziellen Sondierungsgesprächen über eine Regierungsbildung eingeladen. Die Christdemokraten hingegen verzichten bisher auf konkrete inhaltliche Forderungen und pochen stattdessen auf eine partnerschaftliche Gleichberechtigung. CDU-Chef Manuel Hagel betonte die Notwendigkeit fairer Verhandlungen, doch bis März 2026 blieben personelle oder sachpolitische Details unter Verschluss. Zwar finden bereits informelle Gespräche statt, doch die CDU scheint nach ihrer knappen Niederlage auf harte Verhandlungen zu setzen.
Bei gleicher Sitzverteilung bleibt der Weg zu einer Koalition ungewiss. Die Einladung der Grünen zu Gesprächen markiert zwar einen ersten Schritt in Richtung möglicher Regierungsbildung, doch die Zurückhaltung der CDU bei der Offenlegung ihrer Forderungen erschwert die Lage. Entscheidend wird sein, ob nach dem jüngsten Eklat das Vertrauen zwischen den Parteien wiederhergestellt werden kann.






