Bundesregierung bremst Reformen – Rente bleibt 2023 Priorität trotz CDU-Streit
Greta WagnerChef der Stab Frei dämpft Erwartungen für Reformprojekte - Bundesregierung bremst Reformen – Rente bleibt 2023 Priorität trotz CDU-Streit
Die deutsche Bundesregierung signalisiert einen zurückhaltenden Kurs bei großen Reformen im Jahr 2023. Thorsten Frei (CDU), Minister im Kanzleramt, betonte, dass eine umfassende Steuerreform nicht erforderlich sei, da das Koalitionsabkommen bereits ausreichend Spielraum biete. Gleichzeitig sind innerparteiliche Streitigkeiten über Pläne zur Einschränkung des Rechts auf Teilzeitarbeit aufgeflammt.
Frei präzisierte, dass die Koalition zwar zentrale Sozialreformen noch vor Ende der Legislaturperiode durchsetzen wolle, nicht alle Änderungen jedoch bis Dezember finalisiert würden. Im Mittelpunkt stehen die Renten, deren Einführung die Regierung priorisiere – neben anderen geplanten Anpassungen. Einige Maßnahmen lassen sich zügig umsetzen, andere benötigen mehr Zeit.
Innerhalb der CDU hat der Wirtschaftsflügel (MIT) mit dem Vorschlag, Teilzeitarbeit einzuschränken, für Kontroversen gesorgt. Die MIT argumentiert, dass sogenannte "Lifestyle-Teilzeit" – also Arbeitszeitreduzierungen ohne Gründe wie Kinderbetreuung oder Weiterbildung – die Wirtschaft in Zeiten akuten Fachkräftemangels belaste. Statt auf staatliche Unterstützung zu setzen, sollten demnach alle, die mehr arbeiten können, dies auch tun.
Kritiker, darunter die SPD, widersprechen der MIT-Haltung. Sie verweisen auf bestehende Fehlanreize wie Minijobs oder das Ehegattensplitting als sinnvollere Reformziele. Die MIT hat jedoch keine alternativen Lösungen für Unternehmen vorgelegt, die mit Personalmangel kämpfen.
Die Reformagenda der Regierung konzentriert sich auf Renten und ausgewählte Sozialpolitik – mit einer Mischung aus schnellen Lösungen und langfristigen Plänen. Die Debatte um Teilzeitbeschränkungen offenbart tiefere Gräben in der CDU darüber, wie der Arbeitsmarkt gestärkt werden soll. Die Ergebnisse dieser Diskussionen werden die Beschäftigungspolitik in den kommenden Monaten prägen.