Bayreuth bekommt eine neue evangelische Kirche – trotz Schrumpfungsprozessen und Sparzwang
Noah WernerGegen den Trend: Eine neue Kirche eröffnet in Bayreuth - Bayreuth bekommt eine neue evangelische Kirche – trotz Schrumpfungsprozessen und Sparzwang
Im Januar 2025 öffnet in Bayreuth eine seltene Neuheit: eine evangelische Kirche. Die Epiphanias-Kirche im Stadtteil Laineck wird am 6. Januar geweiht – ein ungewöhnlicher Schritt angesichts des allgemeinen Trends zu Schrumpfungsprozessen und finanziellen Engpässen. Während in der Region Kirchenschließungen längst häufiger sind als Neubauten, stellt dieser Bau eine bemerkenswerte Ausnahme dar.
Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf knapp 2 Millionen Euro, wobei die regionale evangelische Landeskirche ein Drittel der Summe übernimmt. Den Restbetrag hat die örtliche Gemeinde selbst aufgebracht. Anders als klassische Kirchenbauten dient das neue Gebäude sowohl als Gotteshaus als auch als multifunktionales Gemeinschaftszentrum mit Platz für 160 Personen.
Die Entscheidung zum Bau fällt in eine Zeit, in der viele Kirchen in Bayern mit existenziellen Herausforderungen kämpfen. Sinkende Mitgliederzahlen, Personalabbau und rückläufige Kirchensteuereinnahmen zwingen die Landeskirche, ihren Immobilienbestand zu verringern. In den katholischen Diözesen sind aufgrund ähnlicher finanzieller Zwänge seit Jahren keine größeren Kirchenneubauten mehr entstanden. Im Sommer 2024 kündigte das Erzbistum München und Freising an, die Ausgaben – insbesondere für Gebäude – drastisch zu kürzen. Auch das Erzbistum Bamberg hat eine neue Immobilienstrategie eingeführt, um Bauförderungen umzustrukturieren. Diese Maßnahmen spiegeln einen grundlegenden Wandel wider: In ganz Bayern diskutieren Gemeinden, welche Gebäude sie sich überhaupt noch leisten können. Neubauten sind längst zur Seltenheit geworden. Die letzte Kirchweihe in Bayern fand im Dezember 2024 statt, als die Christuskirche in Utting am Ammersee nach einem Brand wiederaufgebaut wurde. Gleichzeitig werden immer mehr Kirchen – sowohl evangelische als auch katholische – profaniert und umgenutzt, da die Gemeinden schrumpfen.
Die Epiphanias-Kirche hebt sich als einer der wenigen Zubauten in einer von Schließungen und Sparmaßnahmen geprägten Landschaft ab. Ihre Eröffnung schafft in Bayreuth einen modernen Raum für Gottesdienste und Gemeinschaftsaktivitäten. Angesichts der wachsenden finanziellen Belastungen bleiben ähnliche Projekte jedoch vorerst unwahrscheinlich.