Arzneimittelknappheit droht: Wie der Nahost-Konflikt Europas Medikamentenversorgung gefährdet
Emilia KönigArzneimittelknappheit droht: Wie der Nahost-Konflikt Europas Medikamentenversorgung gefährdet
Europas Arzneimittelversorgung steht vor wachsenden Risiken, da Spannungen im Nahen Osten wichtige Schifffahrtsrouten stören
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt, dass die militärische Eskalation in der Region die Lieferketten für Medikamente aus Asien bedroht. Als Reaktion hat der Verband einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, um die Versorgungssicherheit zu stärken und die Abhängigkeit von gefährdeten Handelswegen zu verringern.
Die Krise eskalierte, nachdem US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran Ende Februar 2026 zu einer Blockade der Straße von Hormus führten. Bis zum 5. März stiegen die Seeversicherungsprämien im Persischen Golf um 50 Prozent, während große Anbieter den Kriegsschadenschutz strichen. Reedereien stufen die Asien-Europa-Route nun als Hochrisikogebiet ein – einige meiden sie komplett. Rund 40 sehr große Öltanker liegen fest, und Umleitungen um Afrika verlängern die Transportzeiten um zehn bis vierzehn Tage, was die Kosten in die Höhe treibt.
Der BPI-Plan fordert wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen, darunter Reformen bei Preisregulierungen, Rabattverträgen und Energiekosten. Zudem betont er die Notwendigkeit, Industrie- und Gesundheitspolitik enger zu verzahnen und die Arzneimittelproduktion als Frage der nationalen Sicherheit zu behandeln. Deutschland soll eine Führungsrolle in EU- und NATO-Strukturen übernehmen, enger mit der Gesundheitsnotfallbehörde HERA zusammenarbeiten und Lagerbestandsinitiativen ausbauen.
Europa ist bei Pharmaprodukten stark von Asien – insbesondere China – abhängig. Angesichts der belasteten Schifffahrtsrouten pocht der BPI auf mehr Versorgungssouveränität, um die Gesundheitssysteme auch in Krisenzeiten funktionsfähig zu halten.
Die Blockade hat bereits die Fracht- und Ölpreise steigen lassen, was die Transportkosten für Medikamente erhöht. Ohne schnelle Lösung drohen weitere Störungen im globalen Schiffsverkehr. Mit seiner Strategie will der BPI die Arzneimittelversorgung Europas sichern – durch weniger Abhängigkeit von instabilen Routen und den Ausbau der heimischen Produktion.






